Erbrechtsinfo.ch

Erbsteit bzw. Erbstreitigkeiten - So löst man den Streit ums Erbe

  • Redaktion Erbrechtsinfo.ch
Erbstreit bzw. Erbstreitigkeiten - Was kann man bei Streitigkeiten rund um das Erbe tun?
Share on whatsapp
Teilen
Share on email
Email senden

Wenn kein Testament errichtet wurde und die Vermögensnachfolge bzw. Erbfolge nicht klar geregelt ist, kommt es oft zum Erbstreit bzw. Erbstreitigkeiten innerhalb der Erben. Egal ob der Pflichtteil zu gering ausgefallen ist, sich die Erben übergangen fühlen oder sich eine Erbengemeinschaft nicht einigen kann – Ein Streit ums Erbe ist nicht nur kostspielig und emotional, sondern kann oft auch sehr lange andauern. Doch wie kann man einem Erbstreit vorbeugen bzw. welche Gründe und Lösungen gibt es für einen Erbenstreit? Erfahren Sie alle alle Antworten & Tipps in unserem Beitrag.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Für einen Erbstreit gibt es unzählige Gründe. Letztlich geht es aber immer darum, dass sich ein Erbe ungerecht behandelt fühlt und Ansprüche geltend machen möchte.
  • Am besten kann man einem Erbstreit mit einem gültigen Testament vorbeugen. Testamente mit Formfehlern oder unklaren Formulierungen sind die häufigsten Erbstreit Ursachen.
  • Alternativen zum Testament sind Erbverträge oder Schenkungen zu Lebzeiten.
  • Vor dem Gang zum Bezirksgericht muss in der Schweiz bei einem Streitwert bis zu 100 000 Franken ein Friedensrichter aufgesucht werden.
  • Die Erbstreit Kosten trägt in der Regel der Verlierer. Diese sind abhängig vom Streitwert.
  • Oberstes Ziel sollte immer die Vermeidung eines Erbstreits sein. Am besten kann Sie im Ernstfall ein auf Erbrecht spezialisierter Anwalt beraten und Ihnen zur Seite stehen.

Inhaltsverzeichnis:

Ursachen für einen Erbstreit

Die Ursachen für einen Erbstreit können sehr vielfältig sein. Sind Streitigkeiten um das Erbe erst einmal aufgetaucht, ist es meist schwierig, sie friedlich beizulegen. Obwohl es sehr viele Gründe für Erbstreitigkeiten gibt, kommt es am häufigsten aufgrund einer der folgenden Ursachen zu Streitigkeiten ums Geld in der Familie:

1. Wenn der Verstorbene kein Testament hinterlässt, greift nach dem Erbrecht in der Schweiz die gesetzliche Erbfolge. Unter Umständen erben dann auch Personen nach einer bestimmten Erbquote, die nach Ansicht der anderen Erben kein Anrecht auf einen Anteil der Hinterlassenschaft haben. Ein Erbstreit beziehungsweise ein Streit um die gesetzliche Erbfolge ist hier vorprogrammiert.

2. Ein bestehendes Testament weist Formfehler auf oder ein Erbe fühlt sich beim Erbe übergangen und möchte das Testament anfechten. In einigen Fällen kommt es auch wegen zweideutiger Formulierungen zu Erbstreitigkeiten.

3. Häufig kommt es auch zum Erbstreit, weil eine Erbengemeinschaft uneinig über die Verwaltung beziehungsweise Verteilung des Nachlasses ist oder es zu Meinungsverschiedenheiten mit dem Testamentsvollstrecker kommt.

4. Ein Angehöriger macht unterwartet darauf aufmerksam, dass er Ansprüche auf einen Pflichtteil hat und seinen Pflichtteil durchsetzen möchte.

5. Möchte ein Erbe sich seinen Erbteil ausbezahlen lassen, kommt es sehr häufig zu einem Erbstreit. Die Beteiligten können sich dann schlicht nicht über die Höhe der Abfindung einigen.

6. Vermutet ein Erbe beim Erblasser zum Zeitpunkt der Testamentsverfassung eine Testierunfähigkeit, kommt es auch oft zu Erbauseinandersetzungen.

7. Sieht sich ein Erbe benachteiligt oder vermutet eine Testamentsfälschung, möchte er das Testament anfechten. Das bedeuet wiederum einen Streit ums Erbe.

Tipp: Erbstreit vermeiden

Unsere Anwälte für Erbrecht können Sie genau beraten wie Sie einen langen und kostenaufwendigen Erbstreit vermeiden .

Erbstreitigkeiten vorbeugen – Als Erblasser die richtige Vorsorge treffen

Einem Erbstreit vorbeugen beziehungsweise einen Erbstreit vermeiden möchte verständlicherweise jeder. Doch wie schafft man es, Erbstreitigkeiten zu verhindern? Diese Frage stellen sich viele – und sie ist in der Tat recht einfach zu beantworten: Das A und O zur Vermeidung von einem Erbstreit ist eine gut durchdachte und detailliere Nachlassplanung. Eine gute Vorsorge verhindert Erbstreitigkeiten im Nachhinein am besten.

1. Gültiges & eindeutiges Testament errichten

Am besten schützen Sie Ihre Hinterbliebenen vor einem Erbstreit, indem Sie ein wasserdichtes Testament erstellen, in dem Ihr letzter Wille unmissverständlich zum Ausdruck gebracht wird.

Erbstreitigkeiten trotz Testament entstehen am häufigsten wegen Formfehlern wie fehlender Unterschriften oder missverständlicher Formulierungen. Solche Ärgernisse passieren vor allem bei eigenhändigen Testamenten, die jeder selbst handschriftlich verfassen kann. Wer einem Erbstreit vorbeugen oder einen Erbstreit vermeiden möchte, setzt also am besten bei einem wasserdichten und gültigen Testament an.

Tipp: Testament beim Anwalt prüfen lassen:

Wenn Sie ein eigenhändiges Testament aufsetzen, lassen Sie dieses unbedingt vom Anwalt prüfen. So stellen Sie sicher, dass es keine Formfehler enthält und beugen Erbstreitigkeiten vor. Darüber hinaus empfiehlt es sich, den Aufbewahrungsort Ihres Testaments im Testamentenregister dokumentieren zu lassen. Auf diese Weise wird Ihr Testament in jedem Fall gefunden und Ihrem letzten Willen kann entsprochen werden. In unserem Anwaltsverzeichnis können Sie kostenlos passende Anwälte für Erbrecht in Ihrer Region kontaktieren.

2. Einzelne Nachkommen enterben 

Es kommt immer wieder vor, dass bei einem Erblasser der Wunsch besteht, einen einzelnen Nachkommen zu enterben. Hier kommt es auch häufig zum Erbstreit. Enterbt werden kann übrigens nur, wer nach der Erbverteilung Schweiz pflichtteilsberechtigt ist. Alle nicht Pflichtteilsberechtigten können ohne Begründung vom Erbe ausgeschlossen werden.

Ein Erbstreit um Pflichtteilsansprüche kommt recht häufig vor. Denkt ein Elternteil beispielsweise, er könne seine Tochter enterben, weil sie aus der Sicht des Elternteils den falschen Partner geheiratet hat, irrt er sich: So einfach kann ein Pflichtteil nicht entzogen werden. Klar, dass in solchen Fällen Pflichtteil Erbstreitigkeiten entstehen.

Der Pflichtteil kann einem Pflichtteilsberechtigten nur unter besonderen Umständen entzogen werden. Beispielsweise dann, wenn ein schweres Verbrechen gegen den Erblasser begangen wurde oder der Pflichtteilsberechtigte sich schwer strafbar gemacht hat. Auch übermäßige Schulden oder eine Spielsucht und damit verbunden die Sorge, das Erbe könnte in kurzer Zeit verschleudert sein, sind Gründe für eine Enterbung. Um Erbstreitigkeiten vorzubeugen, lassen Sie sich aber unbedingt beraten, ob tatsächlich ein Grund für eine Enterbung vorliegt.

3. Erbvertrag aufsetzen lassen

Neben einem Testament haben Sie noch andere Möglichkeiten, über Ihren Nachlass zu verfügen. Bereits zu Lebzeiten können Sie einen Erbvertrag aufsetzen oder Schenkungen vornehmen. Bei einem Schenkungsvertrag muss der Beschenkte eine Schenkungssteuer zahlen. Diese ist abhängig vom verwandtschaftlichen Verhältnis jedoch häufig niedriger als die Erbschaftsteuer.

Mit einem Erbvertrag lassen sich Erbstreitigkeiten sehr gut verhindern. Dies ist deswegen der Fall, weil auch die Erben in den Erbvertrag einwilligen müssen. Eine einseitige Änderung oder Aufhebung des Erbvertrages ist nicht möglich. Mithilfe eines Erbvertrages kann ein Erbe auch einen Erbverzicht geltend machen. Ein solcher ist dann sinnvoll, wenn es beispielsweise um die Frage einer Unternehmensnachfolge geht, die nicht von mehreren geteilt werden soll.

4. Pflichtteilsverzicht vereinbaren

Das Erbrecht in der Schweiz sieht vor, dass ein Erblasser ihm besonders nahestehende Personen nicht gänzlich enterben kann. Einem bestimmten Personenkreis steht ein sogenannter Pflichtteil zu. Häufig kommt es wegen Differenzen um diesen Pflichtteil zu Erbstreitigkeiten oder einem handfesten Erbstreit.

Allerdings gibt es verschiedenen Möglichkeiten des freiwilligen Pflichtteilsverzichts. Auf diese Weise kann einem Erbstreit vorgebeugt werden. 

Diese Möglichkeiten sind:

1. Der Pflichtteilsberechtigte kann sein gesamtes Erbe ausschlagen und also auf jegliche Erbansprüche vollständig verzichten.

2. Der Pflichtteilsberechtigte kann auf seinen Pflichtteil unter Vorbehalt des gesetzlichen Erbrechts verzichten.

3. Der Pflichtteilsberechtigte kann auf sein gesetzliches Erbrecht unter Vorbehalt seines Pflichtteilsanspruchs verzichten.

4. Der Pflichtteilsberechtigte kann auf einen Teil seines Pflichtteils verzichten.

Zwei Menschen streiten am Tisch
  • Hier finden Sie spezialisierte Anwälte für Erbrecht & Erbstreitigkeiten

Erbstreit – Was tun? Welche Lösungen gibt es?

Kommt es trotz guter Vorkehrungen zu einem Erbstreit, gibt es verschiedene Vorgehensweisen. Insbesondere bei Erbstreitigkeiten unter Geschwistern sollte man nicht sofort ein Gerichtsverfahren anstrengen, sondern sich zunächst um friedliche Lösungen bemühen.

Streitschlichtung beim Friedensrichter

In der Schweiz gilt bei einem Erbstreit und Zivilstreitigkeiten mit einem Streitwert bis zu 100.000 Franken die gesetzlich vorgeschriebene Mediation beim sogenannten Friedensrichter. Diese sollen helfen, Erbstreitigkeiten beizulegen und ein Gerichtsverfahren zu verhindern.

Friedensrichter sind in jedem Schweizer Kanton tätig. Die Gebühren für Friedensrichter sind niedrig und in jedem Kanton separat geregelt. Sie richten sich immer nach dem Streitwert. Im Kanton Zürich beispielsweise müssen Sie bei einem Erbstreit mit einem Streitwert von 2 Millionen Franken lediglich mit einer mittleren Friedensrichtergebühr von circa 900 Franken rechnen.

Hinweis: Auch bei hohem Streitwert zum Friedensrichter

Selbstverständlich können Sie auch bei Streitwerten über 100 000 Franken einen Friedensrichter aufsuchen. Dieser Schritt lohnt sich bei einem Erbstreit in sehr vielen Fällen. So kann die Harmonie in der Familie wiederhergestellt werden und man spart sich die teils hohen Gerichtskosten.

Schlichtung durch ein Schiedsverfahren

Das Streitschlichtungsverfahren wird mit einem schriftlichen Gesuch eingeleitet. Um den Erbstreit beizulegen, werden dann alle Beteiligten Parteien zu einem schlichtenden Gespräch beziehungsweise einer mündlichen Verhandlung eingeladen. Im besten Fall endet der Erbstreit mit einer beidseitigen Einigung im Schiedsverfahren. Die Chancen hierfür stehen gut: Die Schweizer Schlichtungsbehörden schaffen es im Schnitt, 60 Prozent aller Zivilfälle zu schlichten und ein Gerichtsverfahren zu verhindern.

Einigung durch einen Mediator

Eine weitere gute Möglichkeit, um einen Erbstreit vor Gericht zu vermeiden, sei es ein Erbstreit mit Bruder oder Erbstreitigkeiten ums Haus, ist eine Mediation. Ziel der Mediation ist die gemeinsame Lösungsfindung. Bei Erfolg werden Erbstreitigkeiten vor Gericht vermieden. So spart man nicht nur eine Menge Geld, sondern auch Zeit und Nerven.

Bei einer Mediation vermittelt ein sogenannter Mediator zwischen den streitenden Parteien. Wenn die Rechtslage bei dem Erbstreit eindeutig oder recht einfach zu durchschauen ist, kommen Mediatoren meist zu demselben Ergebnis wie Friedensrichter bei einem Schiedsverfahren. Vorteil einer Mediation bei Erbstreitigkeiten ist, dass ein Mediator mit einem mittleren Stundensatz von ca. 200 Franken vergleichsweise günstig ist.

Schlichtung durch ein Gerichtsverfahren

Lässt sich der Erbstreit trotz aller Bemühungen nicht verhindern, geht es vor das Bezirksgericht. Hierzu muss nachgewiesen werden, dass es beim Friedensrichter zu keiner Beilegung der Erbstreitigkeiten gekommen ist. Daraufhin erhält man eine Klagebewilligung für das Bezirksgericht. Wird hier keine Einigung erzielt, geht es weiter zum Gericht.

Anwälte für Erbrecht finden

Erbstreitigkeiten Kosten - Welche Kosten entstehen durch einen Erbstreit?

Müssen Erbstreitigkeiten vor Gericht ausgetragen werden, kann das schnell teuer werden. Auch bei Erbauseinandersetzungen muss dem Gericht ein Prozesskostenvorschuss gezahlt werden. Die Höhe richtet sich nach dem Streitwert. Ist der Gegenstand des Erbstreits beispielsweise ein Haus im Wert im zwei Millionen Franken, beträgt die einfache Gerichtsgebühr im Kanton Zürich circa 40.000 Franken, der Vorschuss circa ein bis zwei Drittel hiervon. In komplizierten Fällen kann die einfache Gerichtsgebühr erhöht werden.

Hinzu kommen die Anwaltskosten. Die Erbstreitigkeiten Anwaltskosten sind auch nach einer Gebührentabelle geregelt und bemessen sich nach dem Streitwert. Eine Berechnung nach Stundensatz oder eine Pauschale sind manchmal auch möglich. Das muss individuell mit dem Anwalt besprochen werden.

Wer trägt die Kosten bei einem Erbstreit?

Die Erbstreit Kosten können schnell ungeahnte Ausmaße annehmen. Wer letztlich auf den Kosten sitzen bleibt, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Grundsätzlich muss der Verlierer des Prozesses auch für die Auslagen des anderen aufkommen. Bei einem Erbstreit mit hohen Streitwerten können da schnell hohe Summen zusammenkommen.

Da es bei Erbstreitigkeiten oftmals um sogenannte Teilungsprozesse geht, bei denen es nicht um das gesamte Erbe, sondern nur um Teile geht, kann es auch sein, dass die Kosten anteilig bezahlt werden. In solchen Fällen spricht man von einem teilweisen Unterliegen.

Dauer eines Erbstreits

Ein Erbstreit kann sich unter Umständen sehr lange hinziehen, im schlimmsten Fall über Jahre. Die Erbstreit Dauer kann nicht genau vorher gesagt werden. Wer aber weder beim Friedensrichter noch bei einer Mediation und dem Bezirksgericht zu einer Einigung kommt, hat lange mit den Erbstreitigkeiten zu tun.

Von den enormen Kosten für einen gerichtlichen Erbstreit abgesehen, ist ein solcher Prozess auch psychisch anstrengend und entzweit die Familie. Daher ist es immer besser, sich um friedliche Lösungen zu bemühen. So schont man nicht nur seine Nerven, sondern auch seinen Geldbeutel – vor allem für den Fall, dass man einen Erbstreit verliert und auf sämtlichen Kosten sitzen bleibt.

Erbstreit Tipp: Frühzeitige Erstberatung beim Anwalt für Erbrecht

Sobald Sie in Ihrer Familie kleinste Unstimmigkeiten erkennen, die das Erbe betreffen, sollten Sie Vorkehrungen treffen. Lassen Sie sich am besten von einem auf Erbrecht spezialisierten Anwalt beraten, was im Ernstfall beim Erbstreit alles auf Sie zukommen kann. Zudem ist es hilfreich, mit einem am Streit Unbeteiligten zu sprechen, der eine objektive Sicht hat und nicht von Emotionen geleitet wird.

Um nach dem eigenen Tod eines Erbstreit der Hinterbliebenen zu vermeiden, ist ein Testament die beste Option. Die Kosten eines Testamens halten sich in Grenzen und lohnen sich auf jeden Fall, um einen Erbstreit oder kleinere Erbstreitigkeiten zu vermeiden. Fragen Sie im Zweifelsfall immer den Anwalt Ihres Vertrauens um Rat.

Anwälte für Erbrecht finden

Weitere Beiträge die Sie interessieren könnten..

Anwälte für Erbrecht finden