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Unternehmensnachfolge in der Schweiz - Welche Möglichkeiten gibt es?

  • Redaktion Erbrechtsinfo.ch
Mann unterschreibt Vertrag
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Viele Unternehmerinnen und Unternehmer legen in einem Erbvertrag fest, dass ihr Geschäft im Todesfall an ihre Kinder überschrieben werden soll. Diese Form der Unternehmensnachfolge in der Schweiz hat einige Vorteile. 

Einerseits bietet die Unternehmensübertragung an Kinder Kontinuität, andererseits bleibt Ihnen eine lange Suche nach einer externen geeigneten Nachfolgeperson erspart. Aber welche Möglichkeiten einer Unternehmensnachfolge gibt es eigentlich, was bedeutet familieninterne Nachfolge und wie läuft der Nachfolgeprozess überhaupt ab? 

Fragen wie diese und noch weitere wichtige Themen zur Unternehmensnachfolge werden in diesem Beitrag behandelt.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Bei der Unternehmensnachfolge in der Schweiz unterscheidet man zwischen der innerfamiliären Unternehmensübertragung und der Übertragung an Außenstehende.
  • Die Unternehmensnachfolge sollte fünf bis zehn Jahre vorher geplant werden.
  • Am besten lässt sich die Unternehmensnachfolge mit einem Erbvertrag planen.
  • Es ist empfehlenswert, die Unternehmensübertragung von einem Fachmann begleiten zu lassen.
  • Eine transparente Kommunikation erleichtert die Planung der Unternehmensnachfolge ungemein.

Welche Möglichkeiten einer Unternehmensnachfolge gibt es?

Wer in der Schweiz ein Unternehmen übertragen möchte, dem stehen grundsätzlich zwei Optionen zur Auswahl. Zum einen kann die Unternehmensübertragung an ein Familienmitglied stattfinden, zum anderen an einen Außenstehenden. Welche Form der Unternehmensnachfolge für Sie geeignet ist, hängt von Ihren persönlichen Umständen ab. 

Die meisten Unternehmer, bei denen ein Nachfolger gesucht ist, möchten die Unternehmensnachfolge gern familienintern regeln. Im Folgenden möchten wir Sie über die möglichen Formen der Unternehmensnachfolge in der Schweiz näher aufklären und Sie bei der Entscheidung unterstützen, wenn in Ihrem Unternehmen ein Nachfolger gesucht ist.

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Was bedeutet die Kontinuität in Bezug auf Unternehmensnachfolge?

Wenn die Unternehmensnachfolge innerhalb der Familie stattfindet, so ist die Kontinuität des Unternehmens von besonderer Bedeutung. Um die Kontinuität bei der Unternehmensübergabe zu gewährleisten, werden die finanzielle Kontrolle und die operative Geschäftsführung an eine Person übertragen. 

So wird verhindert, dass bei der Unternehmensnachfolge in der Schweiz die Interessen mehrerer Nachfolger aufeinanderprallen und es zu Konflikten kommt. Die Kontinuität beim Unternehmen übertragen kann auf verschiedene Weise gewährleistet werden: entweder durch eine Erbschaft, eine Schenkung zu Lebzeiten oder durch den Unternehmensverkauf.

Familieninterne Unternehmernachfolge

Bei der Unternehmensnachfolge in der Schweiz wird am häufigsten die familieninterne Nachfolge gewählt. Bei dieser Form der Unternehmensübergabe werden die operative Leitung und / oder die finanzielle Kontrolle an ein oder mehrere Familienmitglieder übertragen.

Wichtig für diese Form der Unternehmensnachfolge ist, dass es in der Familie Personen gibt, die die Unternehmensnachfolge antreten möchten und die nötigen Kenntnisse besitzen. Darüber hinaus müssen die anderen Erbansprüche aus dem restlichen Nachlassvermögen beglichen werden können.

Familieninterne Geschäftsführernachfolge

Die familieninterne Geschäftsführernachfolge sieht vor, dass die operative Geschäftsführung vom Nachfolger übernommen wird. Die finanzielle Kontrolle über das Unternehmen verbleibt bei dieser Form der Unternehmensnachfolge allerdings in anderen Händen. Konkret bedeutet das, dass die neu eingesetzte Geschäftsführung entweder gar nicht oder nur als Minderheitsaktionär am Unternehmen beteiligt wird.

Fremdmanagement mit Familienkontrolle

Sollte sich innerhalb der Familie niemand für die Unternehmensnachfolge finden lassen, bleibt die Möglichkeit des Fremdmanagements mit Familienkontrolle. Bei dieser Variante verbleibt die finanzielle Kontrolle über ein Unternehmen im Kreise der Familie. Die operative Geschäftsführung allerdings wird einem Außenstehenden anvertraut.

Übergabeformen der externen Nachfolge

In der heutigen Zeit kommt es immer häufiger zu einer externen Unternehmensnachfolge. Dies ist deswegen der Fall, weil viele Nachkommen heutzutage einen anderen beruflichen Werdegang im Auge haben als die Fortführung eines Familienunternehmens. Findet sich zum Unternehmen übertragen kein geeigneter familieninterner Nachfolger, wird die Unternehmensnachfolge extern geregelt. Hier gibt es insgesamt fünf Möglichkeiten:

  • Verkauf des Unternehmens an Mitarbeitende (Management-Buy-out)
  • Verkauf des Unternehmens an ein anderes Unternehmen
  • Verkauf des Unternehmens an eine neue Geschäftsführung (Management-Buy-in)
  • Beteiligung von Investoren am Unternehmen (Private Equity)
  • Börsengang

Schenkungen und Stiftungserrichtung

Wer die Unternehmensnachfolge mit einer Schenkung zu Lebzeiten oder einer Stiftungserrichtung plant, muss die erbrechtlichen Konsequenzen beachten. Eine Schenkung zu Lebzeiten beispielsweise kann von anderen Nachkommen angefochten werden, falls die Schenkung deren Pflichtteile verletzt hat. 

Eine solche Anfechtung ist allerdings nur möglich, wenn die Schenkung in den letzten fünf Jahren vor dem Tod des Erblassers stattgefunden hat. Wer mit dem Gedanken spielt, eine Unternehmensstiftung zu errichten, muss dieses Vorhaben sehr detailliert planen. 

An dieser Stelle ist es ratsam, sich von einem Experten beraten zu lassen. So stellen Sie sicher, dass sie das große Ganze im Blick haben und bei der Planung ihrer Unternehmensnachfolge keine Fehler machen. Einen passenden Ansprechpartner finden Sie in der Anwaltssuche von Erbrechtsinfo.ch.

  • Lesen Sie mehr zu Schenkungen & Vermögensübertragung in der Schweiz

Wann sollte man einen Nachfolger für das Unternehmen bestimmen?

Mit der Planung der Unternehmensnachfolge kann man gar nicht früh genug anfangen. Weil die Regelung der Unternehmensnachfolge und die tatsächliche Firmenübertragung in den allermeisten Fällen mehrere Jahre in Anspruch nimmt, ist eine rechtzeitige Planung mehr als ratsam. 

Am besten ist es, sich circa zehn Jahre vor dem geplanten Übergabezeitpunkt schon Gedanken über die Unternehmensübertragung zu machen und gegebenenfalls mit potentiellen Nachfolgern zu sprechen und alle verschiedenen Möglichkeiten in Betracht zu ziehen.

Eheliches Güterrecht und Erbrecht

Bei der Unternehmensnachfolge müssen das eheliche Güterrecht und das Pflichtteilsrecht berücksichtigt werden. Weil der Pflichtteil eines Nachkommen beispielsweise drei Viertel seines gesetzlichen Erbteils beträgt, ist es ratsam, dass an ein Unternehmen gebundene Vermögen zu reduzieren, wenn möglich. 

Wenn ein Erblasser beispielsweise verheiratet ist und Nachkommen hat, so sind fünf Achtel des gesamten Nachlasses pflichtteilsgeschützt, weil sowohl der Ehepartner als auch die Nachkommen pflichtteilsberechtigt sind. Ein Verkauf des Unternehmens kann in solchen Konstellationen häufig nur verhindert werden, indem die Teile eines Unternehmens, die nicht betriebsnotwendig sind, abgestoßen werden.

Eine weitere Möglichkeit ist die Errichtung eines Erbvertrages, in dem die Nachkommen und / oder der Ehepartner auf den Pflichtteil verzichten.

Testament und Erbvertrag bei der Unternehmensnachfolge

Um die Unternehmensnachfolge zu regeln, kann sowohl ein Testament als auch ein Erbvertrag herangezogen werden. Allerdings ist es bei der Unternehmensübertragung ratsam, statt eines Testaments den Erbvertrag zu wählen. Weil das Testament eine einseitige Verfügung ist, kann es jederzeit abgeändert werden. 

Ein Erbvertrag hingegen hat eine viel höhere Bindungswirkung und bezieht den Nachfolger mit ein. Für die Errichtung eines Erbvertrages sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden, um sicherzustellen, dass das Dokument rechtlich wasserdicht ist und keine Formfehler enthält.

Was setzt eine Unternehmensübertragung voraus?

Um eine Unternehmensübertragung familienintern durchzuführen, sollten mehrere Voraussetzungen erfüllt sein. Zum einen ist es natürlich wichtig, dass es eine oder mehrere Personen innerhalb der Familie gibt, die das Unternehmen weiterführen möchten. Darüber hinaus müssen diese Person auch die nötigen Fähigkeiten zur Unternehmensnachfolge mitbringen. 

Ist die Nachfolge geklärt, muss sichergestellt werden, dass alle anderen Erbansprüche abgegolten werden können. Hierzu muss genügend Privatvermögen vorhanden sein. Nicht zuletzt ist es bei der Unternehmensnachfolge außerordentlich wichtig, dass die Unternehmensübertragung lange im Voraus geplant wird.

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Welche Herausforderungen bringt eine Unternehmensnachfolge mit sich?

Die Planung der Unternehmensnachfolge ist aus mehreren Gründen eine große Herausforderung. Für die Planung der Unternehmensübertragung sollte man allgemein 5-10 Jahre rechnen. Aber auch schon davor ist ein Unternehmer häufig am Grübeln, was mit seinem Lebenswerk nach dem eigenen Tod passieren soll. 

Diese Frage ist in der Tat nicht einfach zu beantworten. Und auch, wenn die Unternehmensnachfolge geregelt ist, können sich unvorhergesehene Entwicklungen ergeben, mit denen nicht zu rechnen war. Was für das eigene Unternehmen letztlich am besten ist, hängt von den jeweiligen familiären Verhältnissen und verschiedenen Lebensformen ab. 

Am besten ist es, sich mit allen möglichen Nachfolgern früh genug auseinanderzusetzen, um gemeinsam die passende Lösung für die Unternehmensnachfolge zu finden. Fest steht jedoch, dass man mit der Unternehmensübertragung nicht früh genug anfangen kann.

Welche Risiken sollte man bei der Unternehmensnachfolge beachten?

Eine Unternehmensnachfolge birgt natürlich auch das ein oder andere Risiko. Im Folgenden möchten wir Ihnen einige der Risiken aufzeigen. Selbstverständlich gibt es noch weitere Risiken und Konfliktpotenziale, die von der jeweiligen Situation und den Umständen abhängen.

  • Es besteht die Möglichkeit, dass es zwischen den Nachkommen zu einem Erbstreit kommt. Wenn Interessenskonflikte auftauchen, ist dies gar nicht so selten.
  • Es kann sich im Nachhinein herausstellen, dass bei der Unternehmensnachfolge die falsche Wahl getroffen wurde.
  • Mischt sich der alte Nachfolger in die Belange der Firma ein, obwohl die Unternehmensübertragung schon abgeschlossen ist, ist Streit vorprogrammiert.
Vater und Sohn sitzen vor dem Laptop

Wie läuft der Nachfolgeprozess ab?

Die Planung der Unternehmensnachfolge ist ein langwieriger Prozess, bei dem mehrere Schritte zu durchlaufen sind.

  1. Zunächst müssen die Ziele und Wünsche aller Beteiligten formuliert werden.
  2. Es findet eine Beratung und eine Situationsanalyse von externen Beratern statt, die alle relevanten Aspekte zur Unternehmensnachfolge berücksichtigen.
  3. Die Ergebnisse der Analyse durch die externen Berater werden mit den Wünschen und Zielen aus Punkt 1 verglichen.
  4. Alle möglichen Nachfolgemodelle werden verglichen und abgewogen.
  5. Es wird ein geeigneter Nachfolger gesucht beziehungsweise ausgewählt.
  6. Sobald die Nachfolge feststeht, können Umstrukturierungsmaßnahmen eingeleitet und Vorbereitungen getroffen werden.
  7. Die Unternehmensnachfolge wird umgesetzt.

Kommunikation im Geschäft nach einer Unternehmensübertragung

Für eine Unternehmensübertragung von besonderer Bedeutung ist eine transparente Kommunikation innerhalb des Unternehmens. Sobald eine Unternehmensnachfolge feststeht und die ersten Maßnahmen eingeleitet werden, sollten alle Betroffenen informiert werden. Eine solche öffentliche Kommunikation ist wichtig, damit sich die Mitarbeiter des Unternehmens nicht sorgen oder Gerüchte aufkommen.

Hinweis!

Die Details der Unternehmensübertragung und eventuell unterzeichnete Verschwiegenheitserklärungen bleiben von der transparenten internen Kommunikation natürlich ausgenommen.

Welche steuerlichen Aspekte sollte man bei der Nachfolge beachten?

Eine Unternehmensübertragung zieht immer erbrechtliche Konsequenzen nach sich. Damit Probleme vermieden werden, empfiehlt sich die Aufsetzung eines Erbvertrages, in dem alles möglichst genau geregelt wird. Wichtig ist, darauf zu achten, dass die Pflichtteile anderer Erben durch die Unternehmensübertragung nicht verletzt werden und die Unternehmensnachfolge Erbschaftssteuer beglichen werden kann. 

Wie die steuerlichen Aspekte bei der Unternehmensnachfolge im Einzelnen aussehen und wie hoch die Unternehmensnachfolge Erbschaftssteuer ist, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Unter anderem ist der Familienstand der übergebenen Person entscheidend. 

Was die zu erwartende Steuerlast bei der Unternehmensübertragung angeht, sollte unbedingt im Voraus eine professionelle Beratung stattfinden, um böse Überraschungen zu vermeiden.

Unternehmenswert

Die Nachlassplanung kann erst dann wirklich in Angriff genommen werden, wenn der Wert des Unternehmens bestimmt worden ist. Denn erst wenn der Unternehmenswert feststeht, herrscht eine ungefähre Klarheit über vorhandene Pflichtteile und sonstige Verpflichtungen. Um Erbstreitigkeiten zwischen den Erben zu vermeiden, empfiehlt sich ein transparenter Umgang mit der geplanten Unternehmensübertragung.

Mehrwert des Unternehmens durch Nachfolger

Übergibt ein Unternehmer die Unternehmensnachfolge bereits zu Lebzeiten, ist nicht ausgeschlossen, dass der Nachfolger mit dem Unternehmen einen Mehrwert erwirtschaftet. Kommt es dann später zur Erbteilung, so zählt der erzielte Mehrwert nicht zum Nachlass hinzu. Der Unternehmensnachfolger darf diesen für sich alleine behalten.

Zu welchen Einschränkungen der Miterben kann es kommen?

Bei der Unternehmensnachfolge haben die übrigen Erben einige Einschränkungen in Kauf zu nehmen. Damit die Fortführung des Unternehmens sichergestellt werden kann, kann es unter anderem zu einer Stundung von Ausgleichs- oder Pflichtteilsansprüchen kommen. 

Des Weiteren ist es möglich, dass die Erben die Übernahme von Minderheitsanteilen am Unternehmen in Anrechnung an den Pflichtteil in Kauf nehmen müssen.

Was besagt die Rechtsform?

Bei der Unternehmensübertragung ist die Rechtsform des Unternehmens von Bedeutung. Häufig kann es passieren, dass die Rechtsform eines Unternehmens für die Unternehmensübertragung geändert werden muss, um beispielsweise Pflichtteilsansprüche nicht zu verletzen. Hier empfiehlt sich eine frühzeitige Planung, bei der alle Eventualitäten umfassend berücksichtigt werden.

Können die Erbberechtigten gleichbehandelt werden?

Die Planung der Unternehmensnachfolge macht eine Gleichbehandlung aller Erbberechtigten manchmal schwer. Es gibt allerdings Möglichkeiten, mit denen alle Nachkommen gleichbehandelt werden können. Zum Beispiel ist es möglich, dass alle Aktien eines Unternehmens gleichmäßig auf die Nachkommen verteilt werden. 

Eine weitere Möglichkeit ist die Zuweisung von Stimmrechtsaktien an die Nachkommen. Zu beachten ist hier allerdings, dass der Unternehmensnachfolger mehr als 50 % der Stimmrechte halten sollte. Einfacher kann es allerdings sein, die übrigen Erben auf den Pflichtteil zu setzen oder den Erbanspruch der anderen Erben mit einem Darlehen abzubezahlen, das über mehrere Jahre hinweg aus den Unternehmensgewinnen gespeist wird.

Fazit: Es ist ratsam, einen Anwalt für Erbrecht hinzuzuziehen

Wer eine Unternehmensnachfolge plant, sieht sich einer großen Herausforderung gegenüber. Je nach Größe des Unternehmens und der Erbenkonstellation kann die Unternehmensübertragung beziehungsweise die Vorbereitungen und die Planung mehrere Jahre in Anspruch nehmen. 

Um sich über alle Möglichkeiten umfassend zu informieren, empfiehlt es sich, die Hilfe eines Anwalts für Erbrecht in Anspruch zu nehmen. Dieser kann Sie mit seinem Know-how und seiner jahrelangen Erfahrung umfassend beraten und Sie bei allen erdenklichen Fragen zum Unternehmen übertragen unterstützen. 

Wenn Sie auf der Suche nach einem passenden Ansprechpartner sind, finden Sie diesen hier auf Erbrechtsinfo.ch in der Anwaltssuche.

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