Testament anfechten – Infos, Gründe & Chancen

Wer ein Testament aufsetzt, möchte sich damit vergewissern, dass seinem letzten Willen entsprochen wird. Allerdings kommt es recht häufig zu Erbstreitigkeiten und damit verbunden zu einer Testamentsanfechtung. Wer in der Schweiz ein Testament anfechten möchte, kann sich hier umfassend über die Testamentsanfechtungsklage informieren.
Inhaltsverzeichnis

Wann kann man ein Testament in der Schweiz anfechten?

Wer nicht möchte, dass nach seinem Tod die gesetzliche Erbfolge greift, der muss ein Testament erstellen. Dabei kommt es häufig vor, dass sich Hinterbliebene durch das Testament beim Erbe übergangen fühlen. Um die eigenen Interessen durchzusetzen, wird dann eine Testamentsanfechtungsklage angestrebt.

Wer als Erbberechtigter ein Testament anfechten möchte, kann dies tun. Allerdings sollte man sich dazu im Vorfeld in jedem Fall von einem Anwalt für Erbrecht erst beraten lassen. Nur ein Anwalt für Erbrecht kann Ihnen kompetent relevante Fragen beantworten und Ihnen die tatsächlichen Chancen aber vor allem auch Risiken aufzeigen.

Wann ist eine Testamentsanfechtung sinnlos?

In einigen Fällen ist das Testament anfechten sinnlos. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn ein Kind nur den Pflichtteil erhalten soll, damit aber nicht zufrieden ist. Hat ein Erblasser aus freien Stücken und im rechtlichen Rahmen so verfügt, sollte man gut überlegen, ob man die Erbschaft anfechten will – Erfolg versprechend ist es nicht.

Testament Ungültigkeitsklage – Möglichkeiten & Gründe einer Testament Anfechtung

Die Testamentsanfechtung Erfolgsaussichten sind nur dann gut, wenn ein rechtlich relevanter Grund für die Testament Anfechtung vorliegt. Im Folgenden erläutern wir die Testament Ungültigkeitsgründe, aus denen man ein Testament anfechten kann.

Arglistige Täuschung

Der Tatbestand der arglistigen Täuschung ist im Erbrecht in der Schweiz nicht eindeutig bestimmt. In den meisten Fällen ist eine arglistige Täuschung aber gleichzusetzen mit dem Motivirrtum, dem Erklärungsirrtum oder dem Inhaltsirrtum. In diesem Fall kann man ein Testament anfechten.

Motivirrtum

Ein Motivirrtum liegt dann vor, wenn ein Testator beim Testament erstellen ein bestimmtes Ereignis berücksichtigt hat, das dann aber nicht eingetreten ist. Zum Beispiel kann man ein Testament anfechten, wenn der Testator jemanden deshalb als Erben eingesetzt hat, weil er sich von diesem Pflegeleistungen versprochen hat, dann aber hängen gelassen wurde.

Erklärungsirrtum

Hin und wieder kommt es vor, dass ein Testator versehentlich falsche Angaben macht. In diesem Fall kann man ein Testament anfechten. Beispielsweise kann es passieren, dass ein Zahlendreher eine Summe zustande bringt, die vom Erblasser eigentlich nicht angedacht war. Hier ist eine Ungültigkeitsklage nach Schweizer Recht möglich.

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Inhaltsirrtum

Ein Inhaltsirrtum liegt dann vor, wenn der Erblasser im Testament Angaben macht, von denen er dachte, dass sie andere Konsequenzen haben als tatsächlich. Wenn es beispielsweise letzter Wille des Erblassers war, dass die gesamte Hinterlassenschaft nach einer bestimmten Erbquote an die gesetzlichen Erben geht und er fälschlicherweise den Lebenspartner in dem Kreis der gesetzlichen Erben wähnte, kann dieser das Testament anfechten und seine Ansprüche geltend machen.

Drohung

Falls der Testator bedroht wurde und ein Testament nur aufgrund der Drohung aufgesetzt hat, ist die Anfechtung eines Testament sauf jeden Fall möglich.

Zwang

Der Zwang ist ähnlich gelagert wie die Drohung, ist aber deren Steigerung. Natürlich ist das Testament anfechten möglich, wenn es unter Zwang zustande gekommen ist.

Sittenwidrigkeit bzw. Ausnutzung von Krankheiten

Verstößt ein Testament gegen die geltenden Gesetze in der Schweiz, kann eine Testamentsanfechtungsklage angestrengt werden. Ebenso kann man ein Testament anfechten, wenn es gegen die geltende Moral verstößt. Hier müssen letztlich die Gerichte entscheiden, was als Sittenwidrigkeit zu werten ist. Beachten werden muss hier, dass nicht das ganze Testament, sondern nur die sitten- beziehungsweise rechtswidrigen Teile betroffen sind.

Bindung des Erblassers an frühere Erbverträge (Ehegattentestamente)

Bestehen neben dem Testament noch ältere Verfügungen, ist ein Testator in seinen Verfügungen nicht ganz frei. Beispielsweise kann ein schon lange geschiedener Partner neben dem neuen Partner Ansprüche ans Erbe besitzen. In solchen Fällen ist eine Ungültigkeitsklage laut Erbrecht in der Schweiz möglich und man kann das Testament anfechten.

Anpassung kurz vor dem Tod des Erblassers

Eine Ungültigkeitsklage beziehungsweise Formmängelklage ist grundsätzlich schwierig, wenn ein Testament kurz vor dem Tod des Testators nochmals geändert wurde. Die einzige Möglichkeit, um das Testament anzufechten, liegt hier in vermuteter Testierunfähigkeit.

Scheidung vom im Testament begünstigten Ehegatten

Ist ein geschiedener Gatte im Testament begünstigt, obwohl naheliegend ist, dass der Erblasser dies nicht mehr wollte, können die restlichen Erbberechtigten das Testament anfechten.

Nichtbeachtung eines Pflichtteilsberechtigten

Wird ein Pflichtteilsberechtigter versehentlich beim Erbe übergangen, so kann man das Testament anfechten. Es kann beispielsweise sein, dass ein Testator die Berechtigung einer bestimmten Person nicht kennt. Allerdings ist das Testament anfechten hier nur dann möglich, wenn man davon ausgehen kann, dass der Erblasser anders verfügt hätte, wenn er die Ansprüche des Übergangenen gekannt hätte.

Formfehler des Testamens

Formfehler kommen besonders häufig bei eigenhändigen Testamenten vor. Wenn man ein handgeschriebenes Testament anfechten möchte, ist dies bei Formfehlern möglich. Ein Formfehler liegt beispielsweise vor, wenn die Unterschrift fehlt. Ein Testament anfechten bei Formfehlern kommt recht häufig vor.

Testierunfähigkeit

Liegt die Vermutung nahe, dass der Testator beim Verfassen des Testaments testierunfähig war, ist verständlich, dass Erbberechtige das Testament aufheben lassen möchten. Dies ist bei nachgewiesener Testierunfähigkeit auch möglich; einer Testamentsanfechtung steht hier nichts im Wege.

Testierfähigkeit

Testierfähigkeit ist jede Person, die das 18. Lebensjahr vollendet hat. Zusätzlich muss die Person urteilsfähig sein. In den meisten Fällen wird die Urteilsfähigkeit schlicht angenommen. Um auch eigenhändige Testamente vor Testamentsanfechtungsklagen zu schützen, können Zeugen benannt werden, die im Testament nicht begünstigt werden.

Erbunwürdigkeit des Erben

Das Testament anfechten kann man dann, wenn ein eingesetzter Erbe erbunwürdig ist und der Testator ihm nicht zwischenzeitlich vergeben hat. Für die Erbunwürdigkeit gibt es mehrere Gründe. Erbunwürdig ist ein Erbe dann, wenn er:

  1. den Erblasser getötet hat oder töten wollte.
  2. den Erblasser auf eine Art und Weise geschädigt hat, die diesen an einer Testamentsänderung hinderte.
  3. den Erblasser bedroht oder getäuscht hat.
  4. Urkundenfälschung begangen hat.

Teilweise Unwirksamkeit eines Testaments

Oftmals führt eine teilweise Unwirksamkeit des Testaments dazu, dass das gesamte Dokument unwirksam wird. Dies ist dann der Fall, wenn einzelne unwirksame Verfügungen Auswirkungen auf eigentlich gültige Verfügungen haben. In diesem Fall kann man das Testament anfechten.

Testamentsanfechtung bei Demenzerkrankungen? Möglich?

Theoretisch ist es möglich, ein notarielles Testament wegen Demenz anfechten zu lassen. Ein Testament anfechten wegen Demenz gestaltet sich allerdings schwierig: Der Kläger ist in der Beweispflicht und muss begründet darlegen, warum der Testator beim Verfassen des Testaments nicht testierfähig gewesen sein soll. Oftmals müssen hier Sachverständige mit einbezogen werden. Ein Testament anfechten bei Demenz oder Alzheimer ist möglich, aber nicht sehr Erfolg versprechend. Im Nachhinein kann meist kaum noch sicher dargelegt werden, ob der Testator wirklich testierunfähig war.

Wer kann ein Testament anfechten?

Das Testament anfechten dürfen nur die Erben, die einen Nutzen aus der Testamentsanfechtung ziehen. Ein Testament darf erst dann angefochten werden, wenn der Erbfall eingetreten ist. Der Testator muss also tot sein und die Anfechtungsgründe eines Testaments müssen rechtlich haltbar sein.

Welche Anfechtungsfrist muss man hierbei beachten?

Wie lange kann man ein Testament anfechten? Diese Frage stellen sich Erben, die ein Testament anfechten möchten, wahrscheinlich alle. Die Testament Anfechtung Frist liegt bei zehn Jahren nach Eröffnung des Testaments. Allerdings muss die Testamentsanfechtungsklage spätestens ein Jahr nach Kenntniserlangung über den Ungültigkeitsgrund erhoben werden.

Wie kann man ein Testament anfechten?

Die Frage „Wie fechte ich ein Testament an?“ ist schnell beantwortet: Wer ein ungültiges Testament anfechten möchte, sollte zunächst ein Anwalt für Anwalt aufsuchen und sich beraten lassen. Dann wird mit dessen Hilfe, oder der Hilfe eines Notars, eine Testamentsanfechtungsklage angestrebt. Über die Klage entscheidet dann das Gericht.
Die Chancen beim Testament anfechten hängen davon ab, ob die Gründe fürs Testament anfechten rechtlich relevant sind. Wer sein Erbe anfechten beziehungsweise ein Testament anfechten möchte, sollte zudem auf die eben angesprochenen Fristen und Verjährungen achten. Möchten jemand beim Testament anfechten in der Schweiz seinen Pflichtteil durchsetzen, stehen die Chancen grundsätzlich gut.

Anfechtungschancen bei eigenhändigem Testament

Am häufigsten werden eigenhändige Testamente angefochten. Weil für diese keine offizielle Beurkundung nötig ist, enthalten sie am häufigsten Formfehler oder sonstige unklare Formulierungen, die den Erben Anlass zum Testament anfechten geben.

Anfechtungschancen beim notariellen bzw. öffentlichen Testament

Notarielle und öffentliche Testamente können genau wie eigenhändige Testamente angefochten werden. Bei ihnen sind es dann seltener Formfehler, die zu einer Testament Anfechtung führen, sondern eher persönliche Interessen wie der Pflichtteil oder die Überzeugung, beim Erbe übergangen worden zu sein. Die Testament Anfechtung Chancen hängen aber auch hier davon ab, ob die Gründe rechtlich haltbar sind.

Testament anfechten – Anwalt oder Notar?

Grundsätzlich ist beides möglich, ob man sich beim Testament anfechten für einen Anwalt oder einen Notar entscheidet, ist jedem selbst überlassen. Das Testament anfechten mit Anwalt ist allerdings ratsamer als das Testament anfechten mit Notar. Ein Anwalt für Erbrecht kann die Interessen seines Mandanten gezielt vertreten. Dahingegen ist ein Notar nicht berechtigt, die Interessen einer Partei zu vertreten, sondern fungiert quasi als verlängerter Arm des Gesetzes. Wenn Sie ein Testament anfechten, verlassen Sie sich im Zweifelsfall besser auf einen Anwalt. Dieser kann sie mit seiner Erfahrung auch vor Gericht gut vertreten.

Wieviel kostet eine Anfechtung eines Testaments

Beim Testament anfechten entstehen Kosten. Die Kosten einer Testamentsanfechtung halten sich allerdings in der Regel in einem sehr überschaubaren Rahmen. Dennoch sollte man sich beim Testament anfechten vorher seine Chancen bewusst machen, um am Ende nicht drauf zu zahlen. Wenn Sie einen Schweizer Anwalt für Erbrecht heranziehen, kann dieser im Vorfeld Auskunft über die Chancen einer Testamentsanfechtung geben und darüber hinaus bei allen Fragen helfen und beraten.

Wie kann ein Anwalt für Erbrecht helfen?

Ob ein Testament rechtlich einwandfrei ist oder ob es Anfechtungsgründe gibt, ist von einem Laien oft nur schwer zu beurteilen. Sollten Sie sich durch ein Testament übergangen fühlen, dann folgt häufig ein Erbstreit. Das Schweizer Gesetz sieht vor, dass Sie ein Testament – wie jede andere Verfügung auch – anfechten können. Diese Anfechtung hat zur Folge, dass gerichtlich geklärt wird, ob und inwieweit das Testament korrekt ist. Damit Ihre Anfechtung des Testaments Aussicht auf Erfolg hat, müssen Sie einen begründeten Antrag einreichen und darlegen, warum das Testament anfechten gerechtfertigt ist. Bei dieser Erklärung sollten Sie auf die Expertise eines Anwalts für Erbrecht zurückgreifen. Dieser kennt die Anfechtungsgründe und kann für Sie zutreffend Ihre Erfolgsaussichten einschätzen.

Das Testament ohne einen Anwalt anzufechten, ist zwar möglich, verringert die Erfolgschancen jedoch ungemein. Sollte die Testamentsanfechtungsklage gerichtlich verhandelt werden, vertritt der Anwalt Ihre Interessen vor Gericht. Ebenso ist er / sie Ihr Ansprechpartner, wenn es um allgemeine und spezielle Fragen geht, die das Erbrecht in der Schweiz betreffen. Sollten Sie ein Testament anfechten wollen oder Fragen bezüglich des Erbrechts haben, sollten Sie unsere Anwalts-Suchfunktion nutzen. Mit dieser finden Sie schnell und unkompliziert einen kompetenten Anwalt für Erbrecht in Ihrer Nähe. Zu diesem können Sie kostenlos Kontakt aufnehmen und ein erstes, unverbindliches Beratungsgespräch vereinbaren, um schlussendlich zu Ihrem Recht zu kommen.

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FAQ: Testament anfechten

Sollte der Erblasser ein Testament verfasst haben, dann weicht die Erbquote von den gesetzlichen Bestimmungen ab. Das ist grundsätzlich in Ordnung und vom Schweizer Gesetzgeber vorgesehen. Jedoch kommt es häufig dazu, dass sich Erben im Nachhinein übergangen fühlen und mit dem Testament nicht einverstanden sind. Für diese Fälle gibt es die Möglichkeit, eine Testamentsanfechtungsklage einzureichen. Im Verfahren wird anschliessend geklärt, ob das Testament in seiner verkündeten Form korrekt und wirksam ist oder ob etwaige Ansprüche vergessen / übergangen wurden.

Es gibt unterschiedliche Gründe, warum Sie mit einem Testament nicht zufrieden sind. Dabei ist nicht jedes Ungefallen ein Grund für eine Anfechtung. Es gibt jedoch durchaus Gründe, warum ein Testament in der Schweiz erfolgreich angefochten werden kann. Bedenken Sie dabei, dass diese Gründe glaubhaft und am besten mit Belegen dargelegt werden müssen.

Prinzipiell ist es möglich ein notariell beglaubigtes Testament anzufechten. Dadurch, dass dieses Testament, durch einen Notar geprüft wurde, stehen die Chance nicht gut, dass ein Formmangel ein Grund sein könnte, gegen die Verfügung vorzugehen. Eine Anfechtung hat hier nur Aussicht auf Erfolg, wenn persönliche Interessen nicht berücksichtigt wurden. Klassische Fälle, in denen das Testament angefochten werden kann, sind ein Übergehen des Pflichtteils. Die Kosten, die durch das Testament anfechten entstehen, sind überschaubar. Trotzdem sollten Sie sich im Voraus mit einem Anwalt für Erbrecht beraten, um sicherzustellen, dass Ihr Begehren Aussicht auf Erfolg hat.
Ein Beitrag unserer Online-Redaktion
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Unsere Autoren erarbeitet jeden Artikel nach strengen Qualitätsrichtlinien hinsichtlich Inhalt, Verständlichkeit und Aufbereitung der Informationen. Auf diese Art und Weise ist es uns möglich, Ihnen umfassende Informationen zu unterschiedlichsten Themen zu bieten, die jedoch keine ärztliche Beratung ersetzen können.

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