Gesetzliche Erbfolge in der Schweiz – Rechtslage, gesetzliche Erben & mehr

Die gesetzliche Erbfolge regelt mitunter, wer an einem Nachlass als Erbe beteiligt ist und wie hoch die sogenannte Erbquote für die Erben ist. Doch die gesetzliche Erbfolge gilt nur dann uneingeschränkt, wenn der Erblasser keine letztwillige Verfügung in Form eines Testaments, Erbvertrags oder ähnlicher Verfügungen hinterlassen hat. Wie die Erbfolge in der Schweiz gesetzlich geregelt ist, was es mit der Erbreihenfolge auf sich hat und vieles mehr, erfahren Sie im folgenden Artikel.

Inhaltsverzeichnis

Rechtslage & Grundsätzliches zur gesetzlichen Erbfolge

Die gesetzliche Erbfolge wird im Schweizer Zivilgesetzbuch (ZGB) Art. 481 geregelt. Demzufolge kann ein Erblasser, mit Schranken der Verfügungsfreiheit, mittels einer einer letztwilligen Verfügung frei über sein Vermögen verfügen. 

Tritt die mittels letztwilliger Verfügung gewillkürte Erbfolge nicht in Kraft, so regelt der 2 Absatz des Art. 481 ZGB die Rechtsgrundlage der gesetzlichen Erbfolge. Diese besagt insbesondere, dass der Teil, über den der Erblasser nicht verfügte, an die gesetzlichen Erben fällt.

Grundlage der gesetzliche Erbfolge in der Schweiz

Die gesetzliche Erbfolge wird durch das sogenannte  Parentelsystem bestimmt und regelt, wie eine Erbschaft nach dem Tod des Erblassers unter den gesetzlichen Erben aufgeteilt wird. Wenn es mehrere gesetzliche Erben gibt, wird unter Berücksichtigung der Erbreihenfolge gemäss dem Parentelsystem nach der sogenannten Erbquote vererbt. Darüber hinaus kommt die  gesetzliche Erbfolge in der Schweiz ausnahmslos nur dann zum Tragen, wenn der Erblasser zu Lebzeiten keine gültige letztwillige Verfügung – zum Beispiel  in Form eines  Testament oder Erbvertrags – abgeschlossen hat. 

Unterschied gesetzliche und gewillkürte Erbfolge

Die gesetzliche Erbfolge ist klar und eindeutig durch das Parentelsystem geregelt. Mit ihr wird der gesamte Nachteil anhand der Erbquote aufgeteilt. Die gewillkürte Erbfolge hingegen, ist klar durch die Wünsche des Erblassers geregelt. Hier kann der Erblasser bestimmen, welcher Erbe welchen Teil der Erbschaft erhält.

Erbreihenfolge & gesetzliche Erben – Wer erbt wieviel?

Hat die verstorbene Person, also der Erblasser, seinen letzten Willen nicht in Form einer letztwilligen Verfügung hinterlassen, greift die gesetzliche Erbfolge. Die Erbverteilung ohne Testament wird mit dem sogenannten Parentelsystem bestimmt. Unter dem Parentel versteht man in diesem Zusammenhang die Verwandtschaft des Erblassers, zu dem die direkten Nachkommen sowie die elterliche- und großelterliche Verwandtschaft zählen. Während zur gesetzlichen Erbfolge auch Ehegatten und eingetragene Partner mit einbezogen werden, haben Lebenspartner und unverheiratete Paare in der Schweiz kein gegenseitiges Erbrecht. Somit hat der hinterbliebene Partner aus einem Konkubinat, bei der Aufteilung des Erbes ohne Testament auch keinen Anspruch auf einen Pflichtteil oder Erbteil.

Neben der Regelung wer erbt, bestimmt die Erbquote zudem wie viel die Angehörigen von der Erbmasse erhalten. Zum Umfang der gesetzlichen Erbteile gehören dabei sowohl der Pflichtteil, der den Mindestanteil am Erbe beschreibt, als auch die frei verfügbare Quote. Abzüglich von Ehegatte oder eingetragenem Partner und direkten Nachkommen, die zu den pflichtteilgeschützten Erben gehören, verfügt der Erblasser frei über sein Nachlassvermögen.

Erben 1. Ordnung (1.Parentel)

Der ersten Parentel werden in der gesetzlichen Erbfolge die direkten Nachkommen des Erblassers zugeordnet. Hierzu zählen dessen Kinder, Enkel und Urenkel. Ebenfalls dazu zählen adoptierte Kinder, Stiefkinder allerdings nicht. Nach dem Prinzip „alt vor jung“ innerhalb der Parentel gilt:

  • Die Erbschaft wird unter den Kindern zu gleichen Teilen aufgeteilt.
  • Ist ein Kind bereits nicht mehr am Leben, erben dessen Nachkommen seinen Anteil zu gleichen Teilen.
  • Ist ein kinderloses Kind des Erblassers bereits vor diesem verstorben, erben die übrigen Geschwister dessen Anteil zu gleichen Teilen.
  • Lebt in der ersten Parentel niemand mehr, ist die zweite Parentel an der Reihe.

Erben 2. Ordnung (2.Parentel)

Zu der zweiten Parentel innerhalb der gesetzlichen Erbfolge zählen die Eltern des Erblassers und deren Nachkommen, also die Geschwister des Erblassers und seine Nichten und Neffen.

  • Die Eltern des Erblassers erben zu gleichen Teilen die gesamte Verlassenschaft.
  • Lebt nur noch ein Elternteil, erbt dieses die Hälfte der Verlassenschaft. Der Rest wird unter den Nachkommen des verstorbenen Elternteils aufgeteilt. Wenn der verstorbene Elternteil keine Kinder hat, erbt der noch lebende Elternteil die gesamte Verlassenschaft.
  • Lebt in der zweiten Parentel niemand mehr, erbt die dritte Parentel.

Erben 3. Ordnung (3.Parentel)

Erben der dritten Ordnung sind die Großeltern des Verstorbenen und deren Nachkommen. Hier handelt es sich dann also um die Onkel und Tanten des Erblassers und deren Nachkommen, also Cousins und Cousinen des Erblassers.

  • Die Erbschaft wird unter den Großeltern aufgeteilt, jeder erbt also ein Viertel.
  • An die Stelle bereits verstorbener Großeltern treten deren Kinder beziehungsweise im Falle deren Ablebens die Kindeskinder, also die Tanten und Onkel beziehungsweise Cousins und Cousinen des Erblassers.
  • Hat ein verstorbenes Großelternteil keine Kinder, geht dessen Teil auf das ihm verbundene Großelternteil über.
  • Ist ein Großelternpaar bereits verstorben, erbt das verbleibende Großelternpaar die gesamte Verlassenschaft.

Erbfolge bei eingetragener Partnerschaft

Eingetragene Partner sind Ehepartnern bei der gesetzlichen Erbfolge gleichgestellt. Das bedeutet: Hat der Erblasser kein gültiges Testament beschlossen, wird die gesetzliche Erbfolge angewendet. Diese sieht eingetragene Partner und Partnerinnen genau wie Ehemänner und Ehefrauen als gesetzliche Erben vor. Geschiedene Partner und Partnerinnen haben kein gesetzliches Erbrecht. Sie können allerdings, wenn gewünscht, im Testament bedacht werden.

Erbfolge bei Lebenspartner

Lebenspartner und unverheiratet zusammenlebende Paare haben in der Schweiz kein gegenseitiges Erbrecht. Das heißt: Im Todesfall des Lebenspartners geht der hinterbliebene Partner leer aus und erhält nichts; nicht einmal einen Pflichtteil. Wenn ein Lebensgefährte möchte, dass dem Partner nach dem eigenen Tod etwas aus der Verlassenschaft zukommt, muss er dies ausdrücklich durch ein Testament verfügen.

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Wann ist man erbunwürdig bzw. welche Gründe gibt es für Erbunwürdigkeit?

In besonderen und begründeten Fällen ist es in der Schweiz möglich, Pflichtteilsberechtigten ihren Erbanspruch zu entziehen und sie für erbunwürdig zu erklären, also aus der gesetzlichen Erbfolge auszuschließen.

Gründe für Erbunwürdigkeit sind beispielsweise:

  • Begehung strafbarer Handlungen gegen den Erblasser
  • Begehung strafbarer Handlungen gegen die Verlassenschaft

Zu ersten zählen beispielsweise die Testamentsfälschung oder die vorsätzliche Tötung oder der Versuch der vorsätzlichen Tötung des Erblassers. Ebenfalls strafbar ist es, den Erblasser vorsätzlich in einen geistigen und / oder körperlichen Zustand zu versetzen, der es ihm unmöglich macht, ein Testament zu erstellen oder zu ändern beziehungsweise zu widerrufen. Werden Kinder für erbunwürdig erklärt, gehen deren Ansprüche auf die Enkel und Großenkel über.

Abgrenzung der Erbunwürdigkeit zur Straf- und Präventiventerbung

Die Erbunwürdigkeit tritt bei Vorliegen eines Erbunwürdigkeits-Tatbestandes des Gesetzes wegen ein. Eine sogenannte Straf- oder Präventiventerbung muss vom Erblasser vorgenommen werden. Präventiventerbungen werden hauptsächlich vorgenommen, wenn ein Erbe verschuldet ist und das Erbe so den Gläubigern zufallen würde. Strafenterbungen kommen in Betracht, wenn eine schwere Vernachlässigung gegen familiäre Pflichten vorliegt oder der Erbe eine schwere Straftat gegen den Erblasser oder ihn nahestehende Personen begangen hat.

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Wie kann ein Anwalt für Erbrecht helfen?

Die gesetzliche Erbfolge regelt, wer was bekommt, wenn kein Testament oder Erbvertrag vorliegt. Dabei trifft das Gesetz recht eindeutige Regelungen und trotzdem kommt es nicht selten zu Erbstreitigkeiten nach dem Tod eines Angehörigen. In diesen Fällen macht es in jedem Fall Sinn einen Anwalt für Erbrecht zu engagieren, um etwaige Erbansprüche prüfen zu lassen. Sie sollten sich jedoch schon vor Ihrem Tod Gedanken darüber machen, was mit Ihrem Nachlass geschehen soll. Auch hier bietet sich der Besuch bei Ihrem Anwalt für Erbrecht Ihres Vertrauens an. Dieser kann Ihnen alle Fragen zum Thema Erben beantworten und gemeinsam mit Ihnen Ihren Nachlass planen. 

Der Anwalt für Erbrecht begleitet Sie bei der Erstellung Ihres letzten Willens (als Testament, Erbvertrag etc.) und sorgt stets dafür, dass Ihre Wünsche und Vorstellung rechtssicher und verbindlich umgesetzt werden. Der Vorteil eines Anwalts gegenüber einem Notar ist, dass der Anwalt beratende Tätigkeiten ausführt, während der Notar lediglich prüft, ob Ihre Dokumente formal korrekt verfasst wurden… Schlussendlich berät Sie Ihr Anwalt für Erbrecht auch dahingehend, ob die gesetzliche Erbfolge in der Schweiz das Richtige für Sie ist. Wenn Sie einen kompetenten Anwalt für Erbrecht in Ihrer Nähe suchen, sollten Sie unsere Anwaltssuchfunktion nutzen. Dort finden Sie zuverlässige Rechtspartner auf einen Blick und können sofort und kostenlos einen ersten Beratungstermin vereinbaren.

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FAQ: Gesetzliche Erbfolge in der Schweiz

Die gesetzliche Erbfolge regelt den Nachlass, wenn der Erblasser kein Testament und keinen Erbvertrag hinterlässt. Der Verwandtschaftsgrad bestimmt bei der gesetzlichen Erbfolge, wie viel Erbe wem zusteht.
Mit dem Parentelsystem wird die gesetzliche Erbfolge je nach Verwandtschaftsgrad bestimmt. Zur ersten Parentel gehören die direkten Nachkommen und Ehegatte des Erblassers, zur zweiten die Eltern, Geschwister, Nichten und Neffen und zur dritten Parentel die Großeltern sowie Onkeln und Tanten.
Grundsätzlich hat die gewillkürte Erbfolge im Testament Vorrang vor der gesetzlichen Erbfolge. Allerdings muss der Pflichtteil, der vorgibt wie viel einer erbberechtigten Person zusteht, beachtet werden und ist es nicht möglich, diesen ohne wichtigen Grund aufzuheben.
Ein Beitrag unserer Online-Redaktion
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