Gesetzliche Erbfolge in der Schweiz – Wie viel steht den Erben zu?

Gibt es von einem Erblasser kein gültiges Testament oder einen Erbvertrag, gilt nach dem Schweizer Erbrecht die gesetzliche Erbfolge. Hier erfahren Sie alles über das gesetzliche Erbrecht beziehungsweise den Aufbau der gesetzlichen Erbfolge in der Schweiz und die verschiedenen Erbquoten innerhalb der drei Parentelen.
Inhaltsverzeichnis

Was ist die gesetzliche Erbfolge?

Die gesetzliche Erbfolge in der Schweiz wird durch das Parentelsystem bestimmt und regelt, wie eine Verlassenschaft nach dem Tod des Erblassers unter den gesetzlichen Erben aufgeteilt wird. Wenn es mehrere gesetzliche Erben gibt, wird nach der sogenannten Erbquote vererbt.

Diese ist abhängig von der Erbkonstellation, also beispielsweise davon, ob ein Erblasser nur Kinder oder eine Ehefrau und Kinder hinterlässt. Hinterlässt ein Erblasser beispielsweise Frau und Kinder, erhält die Ehefrau die Hälfte der Verlassenschaft. Die andere Hälfte wird unter den Kindern aufgeteilt.

Wann kommt die gesetzliche Erfolge in der Schweiz zum Tragen?

Die gesetzliche Erbfolge kommt in der Schweiz immer nur dann zum Tragen, wenn der Erblasser zu Lebzeiten kein gültiges Testament abgeschlossen hat. Andersrum kann die gesetzliche Erbfolge nur durch ein gültiges Testament geändert werden. Innerhalb der gesetzlichen Erbfolge bei Familienangehörigen wird zwischen drei Linien unterschieden, die nacheinander erbberechtigt sind. Die nächste Linie erbt immer nur dann, wenn aus der vorherigen Linie niemand mehr vorhanden ist. Hier gilt also das Prinzip „jung vor alt“, während innerhalb der einzelnen Linien nach dem Prinzip „alt vor jung“ vererbt wird. Die einzelnen Linien werden fachsprachlich auch Parentelen genannt.

Was sind Parentelen?

Der Ausdruck Parentelen ist ein aus dem Erbrecht stammender Fachbegriff. Er bezeichnet die in verschiedene Gruppen aufgeteilten Abkömmlinge eines Erblassers. Durch die verschiedenen Parentelen (Gruppen beziehungsweise Linien) wird die Erbreihenfolge gesetzlich festgelegt.

Erben 1. Ordnung (1.Parentel)

Der ersten Parentel werden in der gesetzlichen Erbfolge die direkten Nachkommen des Erblassers zugeordnet. Hierzu zählen dessen Kinder, Enkel und Urenkel. Ebenfalls dazu zählen adoptierte Kinder, Stiefkinder allerdings nicht. Nach dem Prinzip „alt vor jung“ innerhalb der Parentel gilt:

  • Die Erbschaft wird unter den Kindern zu gleichen Teilen aufgeteilt.
  • Ist ein Kind bereits nicht mehr am Leben, erben dessen Nachkommen seinen Anteil zu gleichen Teilen.
  • Ist ein kinderloses Kind des Erblassers bereits vor diesem verstorben, erben die übrigen Geschwister dessen Anteil zu gleichen Teilen.
  • Lebt in der ersten Parentel niemand mehr, ist die zweite Parentel an der Reihe.

Erben 2. Ordnung (2.Parentel)

Zu der zweiten Parentel innerhalb der gesetzlichen Erbfolge zählen die Eltern des Erblassers und deren Nachkommen, also die Geschwister des Erblassers und seine Nichten und Neffen.

  • Die Eltern des Erblassers erben zu gleichen Teilen die gesamte Verlassenschaft.
  • Lebt nur noch ein Elternteil, erbt dieses die Hälfte der Verlassenschaft. Der Rest wird unter den Nachkommen des verstorbenen Elternteils aufgeteilt. Wenn der verstorbene Elternteil keine Kinder hat, erbt der noch lebende Elternteil die gesamte Verlassenschaft.
  • Lebt in der zweiten Parentel niemand mehr, erbt die dritte Parentel.

Erben 3. Ordnung (3.Parentel)

Erben der dritten Ordnung sind die Großeltern des Verstorbenen und deren Nachkommen. Hier handelt es sich dann also um die Onkel und Tanten des Erblassers und deren Nachkommen, also Cousins und Cousinen des Erblassers.

  • Die Erbschaft wird unter den Großeltern aufgeteilt, jeder erbt also ein Viertel.
  • An die Stelle bereits verstorbener Großeltern treten deren Kinder beziehungsweise im Falle deren Ablebens die Kindeskinder, also die Tanten und Onkel beziehungsweise Cousins und Cousinen des Erblassers.
  • Hat ein verstorbenes Großelternteil keine Kinder, geht dessen Teil auf das ihm verbundene Großelternteil über.
  • Ist ein Großelternpaar bereits verstorben, erbt das verbleibende Großelternpaar die gesamte Verlassenschaft.

Gesetzliche Erbquote

Mit den sogenannten Erbquoten wird der Umfang einzelner Erbteile gesetzlich geregelt. Einige Beispiele für gesetzliche Erbquoten sind:

  1. Ist ein Erblasser nicht verheiratet und hinterlässt drei Kinder, so erbt jedes Kind ein Drittel der Verlassenschaft. Ist der Erblasser verheiratet und hat drei Kinder, so erbt der Ehepartner beziehungsweise die Ehepartnerin die Hälfte der Verlassenschaft. Die übrigen Hälfte wird zu gleichen Teilen unter den drei Kindern aufgeteilt.
  2. Hat der Erblasser keine Kinder und keinen Ehepartner, erben die Eltern des Erblassers die Verlassenschaft (2. Parentel). Hat der Erblasser keine Kinder, aber einen Ehepartner, so erbt dieser drei Viertel der Verlassenschaft. Das übrige Viertel geht auf die Eltern des Erblassers über.

Erbfolge bei eingetragener Partnerschaft

Eingetragene Partner sind Ehepartnern bei der gesetzlichen Erbfolge gleichgestellt. Das bedeutet: Hat der Erblasser kein gültiges Testament beschlossen, wird die gesetzliche Erbfolge angewendet. Diese sieht eingetragene Partner und Partnerinnen genau wie Ehemänner und Ehefrauen als gesetzliche Erben vor. Geschiedene Partner und Partnerinnen haben kein gesetzliches Erbrecht. Sie können allerdings, wenn gewünscht, im Testament bedacht werden.

Erbfolge bei Lebenspartner

Lebenspartner und unverheiratet zusammenlebende Paare haben in der Schweiz kein gegenseitiges Erbrecht. Das heißt: Im Todesfall des Lebenspartners geht der hinterbliebene Partner leer aus und erhält nichts; nicht einmal einen Pflichtteil. Wenn ein Lebensgefährte möchte, dass dem Partner nach dem eigenen Tod etwas aus der Verlassenschaft zukommt, muss er dies ausdrücklich durch ein Testament verfügen.

Die gewillkürte Erbfolge kurz erklärt:

Neben der gesetzlichen Erbfolge gibt es die sogenannte gewillkürte Erbfolge. Diese bezeichnet verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten des Erblassers, mit denen dieser zu Lebzeiten gezielt Einfluss auf die Erbfolge nehmen kann. Diese sogenannte Testierfreiheit ermöglicht es dem Erblasser also, seine Verlassenschaft nach seinem Willen zu verteilen. Hiervon unberührt bleiben die sogenannten Pflichtanteile, die einigen Erben von Gesetzes wegen zustehen.

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Wann ist man erbunwürdig bzw. welche Gründe gibt es für Erbunwürdigkeit?

In besonderen und begründeten Fällen ist es in der Schweiz möglich, Pflichtteilsberechtigten ihren Erbanspruch zu entziehen und sie für erbunwürdig zu erklären, also aus der gesetzlichen Erbfolge auszuschließen.

Gründe für Erbunwürdigkeit sind beispielsweise:

  • Begehung strafbarer Handlungen gegen den Erblasser
  • Begehung strafbarer Handlungen gegen die Verlassenschaft

Zu ersten zählen beispielsweise die Testamentsfälschung oder die vorsätzliche Tötung oder der Versuch der vorsätzlichen Tötung des Erblassers. Ebenfalls strafbar ist es, den Erblasser vorsätzlich in einen geistigen und / oder körperlichen Zustand zu versetzen, der es ihm unmöglich macht, ein Testament zu erstellen oder zu ändern beziehungsweise zu widerrufen. Werden Kinder für erbunwürdig erklärt, gehen deren Ansprüche auf die Enkel und Großenkel über.

Abgrenzung der Erbunwürdigkeit zur Straf- und Präventiventerbung

Die Erbunwürdigkeit tritt bei Vorliegen eines Erbunwürdigkeits-Tatbestandes des Gesetzes wegen ein. Eine sogenannte Straf- oder Präventiventerbung muss vom Erblasser vorgenommen werden. Präventiventerbungen werden hauptsächlich vorgenommen, wenn ein Erbe verschuldet ist und das Erbe so den Gläubigern zufallen würde. Strafenterbungen kommen in Betracht, wenn eine schwere Vernachlässigung gegen familiäre Pflichten vorliegt oder der Erbe eine schwere Straftat gegen den Erblasser oder ihn nahestehende Personen begangen hat.

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Lassen Sie sich in Erbangelegenheiten in der Schweiz und Fragen zur gesetzlichen Erbfolge von einem Anwalt für Erbrecht beraten. Finden Sie in unserem Anwaltsverzeichnis schnell Ihren passenden und Anwalt für Erbrecht in Zürich, Bern, Basel, Luzern oder weiteren Schweizer Städten. Das Erbrecht ist für Laien oftmals nur schwer zu durchschauen und der ein oder andere Denkfehler ist schnell gemacht. Um solchen Missgeschicken vorzubeugen, suchen Sie sich am besten von Anfang an erfahrene Unterstützung.

Wie kann ein Anwalt für Erbrecht helfen?

Die gesetzliche Erbfolge regelt, wer was bekommt, wenn kein Testament oder Erbvertrag vorliegt. Dabei trifft das Gesetz recht eindeutige Regelungen und trotzdem kommt es nicht selten zu Erbstreitigkeiten nach dem Tod eines Angehörigen. In diesen Fällen macht es in jedem Fall Sinn einen Anwalt für Erbrecht zu engagieren, um etwaige Erbansprüche prüfen zu lassen. Sie sollten sich jedoch schon vor Ihrem Tod Gedanken darüber machen, was mit Ihrem Nachlass geschehen soll. Auch hier bietet sich der Besuch bei Ihrem Anwalt für Erbrecht Ihres Vertrauens an. Dieser kann Ihnen alle Fragen zum Thema Erben beantworten und gemeinsam mit Ihnen Ihren Nachlass planen. 

Der Anwalt für Erbrecht begleitet Sie bei der Erstellung Ihres letzten Willens (als Testament, Erbvertrag etc.) und sorgt stets dafür, dass Ihre Wünsche und Vorstellung rechtssicher und verbindlich umgesetzt werden. Der Vorteil eines Anwalts gegenüber einem Notar ist, dass der Anwalt beratende Tätigkeiten ausführt, während der Notar lediglich prüft, ob Ihre Dokumente formal korrekt verfasst wurden… Schlussendlich berät Sie Ihr Anwalt für Erbrecht auch dahingehend, ob die gesetzliche Erbfolge in der Schweiz das Richtige für Sie ist. Wenn Sie einen kompetenten Anwalt für Erbrecht in Ihrer Nähe suchen, sollten Sie unsere Anwaltssuchfunktion nutzen. Dort finden Sie zuverlässige Rechtspartner auf einen Blick und können sofort und kostenlos einen ersten Beratungstermin vereinbaren.

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FAQ: Gesetzliche Erbfolge in der Schweiz

Die gesetzliche Erbfolge regelt, wer was erbt, sofern der Erblasser keine eigenen Bestimmungen getroffen hat. Das sorgt dafür, dass im Voraus abschätzbar ist, wem was nach dem Tod eines Menschen zusteht. Dabei wird die gesetzliche Erbfolge in unterschiedliche Ordnungen eingeteilt. Je höher man in der Ordnung ist, umso mehr Erbe steht einem zu. Ein weiterer, wichtiger Aspekt in Sachen Erbfolge ist, dass das Gesetz vorschreibt, dass es für bestimmte Personen – wie zum Beispiel direkte Nachkommen – einen Pflichtteil gibt. Dieser Pflichtteil steht den Erben auch dann zu, wenn sie beispielsweise durch ein Testament enterbt wurden.

Wer wie viel nach gesetzlicher Erbfolge erbt, ist nicht so leicht zu beantworten. Es kommt stets darauf an, welche Erben es gibt und wie viele. Grundsätzlich werden die Erben in unterschiedliche Ordnungen aufgeteilt – je nach Verwandtschaftsgrad. Bei einer Familie mit zwei Kindern (+ 1 Kind aus einer anderen Ehe) wäre es wie folgt:

  1. Der überlebende Ehegatte erbt die Hälfte des Nachlass
  2. Jedes der Kinder erbt 1/6 des Nachlass
  3. Der Ehegatte aus erster Ehe erbt nichts, da kein verwandtschaftliches Verhältnis vorliegt.

Von besonderer Wichtigkeit sind weiterhin die Pflichtteilsquoten. Zieht man diese von der gesamten Erbmasse ab, so erhält man die so genannte freie Quote. Das ist der Teil des Erbes, der von Erblasser frei verteilt werden darf.

Das Testament ist der letzte Wille und tritt an die Stelle der Erbfolge. Sofern Sie ein Testament anfertigen, ist die gesetzliche Erbfolge für Sie weniger relevant. Trotzdem gibt es weiterhin gesetzliche Bestimmungen, die auch mit einem Testament eingehalten werden müssen. So können Sie beispielsweise nicht durch ein Testament verhindern, dass eines ihrer Kinder seinen Pflichtteilsanspruch geltend macht, obwohl er / sie laut Testament nichts erben soll. Es herrscht in der Schweiz grundsätzlich Testierfreiheit und Sie können Ihr Testament nach freiem Willen gestalten. Dabei sollten Sie einen Anwalt für Erbrecht zu Rate ziehen, der dafür sorgt, dass Ihr Testament Ihrem tatsächlichen Willen entspricht.
Ein Beitrag unserer Online-Redaktion
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