Erbrechtsinfo.ch

Gesetzliche Erbfolge in der Schweiz - Wie viel steht den Erben zu?

  • Redaktion Erbrechtsinfo.ch
Familie sitzt im Grass und lacht
Share on whatsapp
Teilen
Share on email
Email senden

Gibt es von einem Erblasser kein gültiges Testament oder einen Erbvertrag, gilt nach dem Schweizer Erbrecht die gesetzliche Erbfolge. Hier erfahren Sie alles über das gesetzliche Erbrecht beziehungsweise den Aufbau der gesetzlichen Erbfolge in der Schweiz und die verschiedenen Erbquoten innerhalb der drei Parentelen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Liegt vom Erblasser kein gültiges Testament oder ein Erbvertrag vor, so greift nach dem Schweizer Erbrecht die gesetzliche Erbfolge.
  • Wenn es mehrere Erben gibt, wird das Erbe unter diesen nach einer bestimmten Erbquote aufgeteilt.
  • In der Schweiz gibt es drei Parentelen. Das sind die verschiedenen Erblinien, die in einer bestimmten Reihenfolge erben.
  • Die nächste Parentel erbt immer nur dann, wenn aus der vorangehenden niemand mehr am Leben ist.
  • Eingetragene Lebenspartner sind in der gesetzlichen Erbfolge Eheleuten gleichgestellt, fallen also auch unter das Ehegatten Erbrecht.
  • Die gewillkürte Erbfolge ermöglicht die gezielte Einflussnahme zu Lebzeiten des Erblassers auf die Verteilung des Erbes.
  • Pflichtanteilebleiben von der gewillkürten Erbfolge unberührt.

Inhaltsverzeichnis:

Was ist die gesetzliche Erbfolge?

Die gesetzliche Erbfolge in der Schweiz wird durch das Parentelsystem bestimmt und regelt, wie eine Verlassenschaft nach dem Tod des Erblassers unter den gesetzlichen Erben aufgeteilt wird. Wenn es mehrere gesetzliche Erben gibt, wird nach der sogenannten Erbquote vererbt. Diese ist abhängig von der Erbkonstellation, also beispielsweise davon, ob ein Erblasser nur Kinder oder eine Ehefrau und Kinder hinterlässt. Hinterlässt ein Erblasser beispielsweise Frau und Kinder, erhält die Ehefrau die Hälfte der Verlassenschaft. Die andere Hälfte wird unter den Kindern aufgeteilt.  

Wann kommt die gesetzliche Erfolge in der Schweiz zum Tragen?

Die gesetzliche Erbfolge kommt in der Schweiz immer nur dann zum Tragen, wenn der Erblasser zu Lebzeiten kein gültiges Testament abgeschlossen hat. Andersrum kann die gesetzliche Erbfolge nur durch ein gültiges Testament geändert werden.

Gesetzliche Erbfolge bei Familienangehörigen

Innerhalb der gesetzlichen Erbfolge bei Familienangehörigen wird zwischen drei Linien unterschieden, die nacheinander erbberechtigt sind. Die nächste Linie erbt immer nur dann, wenn aus der vorherigen Linie niemand mehr vorhanden ist. Hier gilt also das Prinzip „jung vor alt“, während innerhalb der einzelnen Linien nach dem Prinzip „alt vor jung“ vererbt wird. Die einzelnen Linien werden fachsprachlich auch Parentelen genannt.

Hinweis: Was sind Parentelen?

Der Ausdruck Parentelen ist ein aus dem Erbrecht stammender Fachbegriff. Er bezeichnet die in verschiedene Gruppen aufgeteilten Abkömmlinge eines Erblassers. Durch die verschiedenen Parentelen (Gruppen beziehungsweise Linien) wird die Erbreihenfolge gesetzlich festgelegt.

Erben 1. Ordnung (1.Parentel)

Der ersten Parentel werden in der gesetzlichen Erbfolge die direkten Nachkommen des Erblassers zugeordnet. Hierzu zählen dessen Kinder, Enkel und Urenkel. Ebenfalls dazu zählen adoptierte Kinder, Stiefkinder allerdings nicht. Nach dem Prinzip „alt vor jung“ innerhalb der Parentel gilt:

  • Die Erbschaft wird unter den Kindern zu gleichen Teilen aufgeteilt.
  • Ist ein Kind bereits nicht mehr am Leben, erben dessen Nachkommen seinen Anteil zu gleichen Teilen.
  • Ist ein kinderloses Kind des Erblassers bereits vor diesem verstorben, erben die übrigen Geschwister dessen Anteil zu gleichen Teilen.
  • Lebt in der ersten Parentel niemand mehr, ist die zweite Parentel an der Reihe.

Erben 2. Ordnung (2.Parentel)

Zu der zweiten Parentel innerhalb der gesetzlichen Erbfolge zählen die Eltern des Erblassers und deren Nachkommen, also die Geschwister des Erblassers und seine Nichten und Neffen. 

  • Die Eltern des Erblassers erben zu gleichen Teilen die gesamte Verlassenschaft.
  • Lebt nur noch ein Elternteil, erbt dieses die Hälfte der Verlassenschaft. Der Rest wird unter den Nachkommen des verstorbenen Elternteils aufgeteilt. Wenn der verstorbene Elternteil keine Kinder hat, erbt der noch lebende Elternteil die gesamte Verlassenschaft.
  • Lebt in der zweiten Parentel niemand mehr, erbt die dritte Parentel.

Erben 3. Ordnung (3.Parentel)

Erben der dritten Ordnung sind die Großeltern des Verstorbenen und deren Nachkommen. Hier handelt es sich dann also um die Onkel und Tanten des Erblassers und deren Nachkommen, also Cousins und Cousinen des Erblassers.

  • Die Erbschaft wird unter den Großeltern aufgeteilt, jeder erbt also ein Viertel.
  • An die Stelle bereits verstorbener Großeltern treten deren Kinder beziehungsweise im Falle deren Ablebens die Kindeskinder, also die Tanten und Onkel beziehungsweise Cousins und Cousinen des Erblassers.
  • Hat ein verstorbenes Großelternteil keine Kinder, geht dessen Teil auf das ihm verbundene Großelternteil über.
  • Ist ein Großelternpaar bereits verstorben, erbt das verbleibende Großelternpaar die gesamte Verlassenschaft.

Gesetzliche Erbquote

Mit den sogenannten Erbquoten wird der Umfang einzelner Erbteile gesetzlich geregelt. Einige Beispiele für gesetzliche Erbquoten sind:

1. Ist ein Erblasser nicht verheiratet und hinterlässt drei Kinder, so erbt jedes Kind ein Drittel der Verlassenschaft. Ist der Erblasser verheiratet und hat drei Kinder, so erbt der Ehepartner beziehungsweise die Ehepartnerin die Hälfte der Verlassenschaft. Die übrigen Hälfte wird zu gleichen Teilen unter den drei Kindern aufgeteilt.

2. Hat der Erblasser keine Kinder und keinen Ehepartner, erben die Eltern des Erblassers die Verlassenschaft (2. Parentel). Hat der Erblasser keine Kinder, aber einen Ehepartner, so erbt dieser drei Viertel der Verlassenschaft. Das übrige Viertel geht auf die Eltern des Erblassers über.

Anwälte für Erbrecht finden

Erbfolge bei eingetragener Partnerschaft

Eingetragene Partner sind Ehepartnern bei der gesetzlichen Erbfolge gleichgestellt. Das bedeutet: Hat der Erblasser kein gültiges Testament beschlossen, wird die gesetzliche Erbfolge angewendet. Diese sieht eingetragene Partner und Partnerinnen genau wie Ehemänner und Ehefrauen als gesetzliche Erben vor. Geschiedene Partner und Partnerinnen haben kein gesetzliches Erbrecht. Sie können allerdings, wenn gewünscht, im Testament bedacht werden.

Erbfolge bei Lebenspartner

Lebenspartner und unverheiratet zusammenlebende Paare haben in der Schweiz kein gegenseitiges Erbrecht. Das heißt: Im Todesfall des Lebenspartners geht der hinterbliebene Partner leer aus und erhält nichts; nicht einmal einen Pflichtteil. Wenn ein Lebensgefährte möchte, dass dem Partner nach dem eigenen Tod etwas aus der Verlassenschaft zukommt, muss er dies ausdrücklich durch ein Testament verfügen.

Hinweis: Die gewillkürte Erbfolge kurz erklärt:

Neben der gesetzlichen Erbfolge gibt es die sogenannte gewillkürte Erbfolge. Diese bezeichnet verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten des Erblassers, mit denen dieser zu Lebzeiten gezielt Einfluss auf die Erbfolge nehmen kann. Diese sogenannte Testierfreiheit ermöglicht es dem Erblasser also, seine Verlassenschaft nach seinem Willen zu verteilen. Hiervon unberührt bleiben die sogenannten Pflichtanteile, die einigen Erben von Gesetzes wegen zustehen.

Wann ist man erbunwürdig bzw. welche Gründe gibt es für Erbunwürdigkeit?

In besonderen und begründeten Fällen ist es in der Schweiz möglich, Pflichtteilsberechtigten ihren Erbanspruch zu entziehen und sie für erbunwürdig zu erklären, also aus der gesetzlichen Erbfolge auszuschließen.

Gründe für Erbunwürdigkeit sind beispielsweise:

  • Begehung strafbarer Handlungen gegen den Erblasser
  • Begehung strafbarer Handlungen gegen die Verlassenschaft
Zu ersten zählen beispielsweise die Testamentsfälschung oder die vorsätzliche Tötung oder der Versuch der vorsätzlichen Tötung des Erblassers. Ebenfalls strafbar ist es, den Erblasser vorsätzlich in einen geistigen und / oder körperlichen Zustand zu versetzen, der es ihm unmöglich macht, ein Testament zu erstellen oder zu ändern beziehungsweise zu widerrufen. Werden Kinder für erbunwürdig erklärt, gehen deren Ansprüche auf die Enkel und Großenkel über.
Hinweis: Abgrenzung der Erbunwürdigkeit zur Straf- und Präventiventerbung

Die Erbunwürdigkeit tritt bei Vorliegen eines Erbunwürdigkeits-Tatbestandes des Gesetzes wegen ein. Eine sogenannte Straf- oder Präventiventerbung muss vom Erblasser vorgenommen werden. Präventiventerbungen werden hauptsächlich vorgenommen, wenn ein Erbe verschuldet ist und das Erbe so den Gläubigern zufallen würde. Strafenterbungen kommen in Betracht, wenn eine schwere Vernachlässigung gegen familiäre Pflichten vorliegt oder der Erbe eine schwere Straftat gegen den Erblasser oder ihn nahestehende Personen begangen hat.

Spezialisierte Anwälte für Erbrecht unterstützen Sie bei Ihrer Erbfolge

Lassen Sie sich in Erb-angelegenheiten in der Schweiz und Fragen zur gesetzlichen Erbfolge von einem auf Erbrecht spezialisierten Anwalt beraten. Finden Sie in unserem Anwaltsverzeichnis schnell Ihren passenden und spezialisierten Fachanwalt für Erbrecht in Zürich, Bern, Basel, Luzern oder weiteren Schweizer Städten.

Das Erbrecht ist für Laien oftmals nur schwer zu durchschauen und der ein oder andere Denkfehler ist schnell gemacht. Um solchen Missgeschicken vorzubeugen, suchen Sie sich am besten von Anfang an erfahrene Unterstützung.

Weitere Beiträge die Sie interessieren könnten..