Anwalt für Erbrecht benötigt?
Finditoo-Rechtsportal-Netzwerk-emblem.png

Immobilien übertragen auf Kinder - Auf was sollte man achten?

Einem Ehepaar wird der Schlüssel übergeben
Share on whatsapp
Teilen
Share on email
Email senden

Neben dem Erben von Immobilien im Ausland spielt auch der Aspekt Übertragung von Immobilien auf Kinder in der Schweiz eine große Rolle im Erbrecht. Viele Immobilienbesitzer in der Schweiz fürchten den Moment, pflegebedürftig zu werden und Ihre Liegenschaft verkaufen zu müssen. Deshalb übertragen nicht wenige Eltern ihre Liegenschaft bereits zu Lebzeiten an ihre Kinder. Auch aus steuerlichen Gründen kann diese Möglichkeit in Betracht gezogen werden.

Im folgenden Beitrag werden alle wichtigen Aspekte rund um das Thema Übertragung von Immobilien auf Kinder behandelt. Erfahren Sie alles über die Schenkung, den Erbvorbezug sowie über das Wohnrecht und die Nutzniessung.

Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste in Kürze:
  • Für die Immobilienübertragung auf Kinder in der Schweiz stehen Eltern verschiedene Möglichkeiten offen: der Verkauf zum Verkehrswert, die gemischte Schenkung oder die Schenkung / der Erbvorbezug.
  • Der Erbvorbezug ist eine besondere Form der Schenkung und im Erbfall den anderen Erben gegenüber ausgleichspflichtig.
  • Eltern haben die Möglichkeit, sich ein Wohnrecht oder ein Nutzniessungsrecht vorzubehalten.
  • Beim Immobilien auf Kinder übertragen müssen steuerliche Aspekte berücksichtigt werden, die Sie am besten mit einem Fachmann besprechen.
  • Der Wertzuwachs einer Immobilie ist im Erbfall auch ausgleichspflichtig, was Kinder in finanzielle Schwierigkeiten bringen kann – hier helfen vertragliche Vorkehrungen, die die Ausgleichspflicht aufheben.

Wie soll die Liegenschaft an Kinder übertragen werden?

Wer sein Vermögen auf Kinder übertragen möchte oder über eine Hausübertragung auf Kinder nachdenkt, dem stehen in der Schweiz verschiedene Möglichkeiten offen. Diese verschiedenen Möglichkeiten, wie man ein Haus an Kinder übertragen kann, möchten wir im Folgenden erläutern.

Welche Option beim Immobilien übertragen an Kinder für Sie am besten geeignet ist, hängt von Ihrer jeweiligen Situation und Ihren persönlichen Umständen ab. Unter Umständen empfiehlt sich hier die Beratung bei einem Spezialisten für Erbrecht in Ihrer Region.

1. Verkauf zum Verkehrswert

Eine erste Option für die Übertragung von Wohneigentum an Kinder ist der Verkauf einer Liegenschaft zum Verkehrswert. Das bedeutet, dass der Wert der jeweiligen Immobilie bestimmt wird und der Hausverkauf an die Kinder zu diesem Wert stattfindet. Hat das Kind zu dieser Form der Immobilien Übertragung an Kinder nicht genug Kapital, können die Eltern entweder ein Darlehen gewähren oder das Kind nimmt einen Kredit auf.

2. Gemischte Schenkung (Verkauf unter Verkehrswert)

Beim Immobilien übertragen an Kinder in der Schweiz gibt es ferner die Möglichkeit einer gemischten Schenkung. Eine gemischte Schenkung liegt dann vor, wenn die Eltern ihrem Kind eine Liegenschaft weit unter dem Verkehrswert beziehungsweise dem Marktwert der Liegenschaft verkaufen. Bei dieser Vorgehensweise muss vor allem bedacht werden, dass eine gemischte Schenkung im Erbfall den anderen Erben gegenüber ausgleichspflichtig ist.

Zahlt ein Sohn beispielsweise beim Immobilien übertragen an Kinder für ein Haus mit dem Verkehrswert von CHF 500 000 nur CHF 200 000, so wird die Differenz von CHF 300 000 Franken im Erbfall als Schenkung beziehungsweise Erbvorbezug behandelt und muss den Geschwistern gegenüber ausgeglichen werden. Zusätzlich muss der Wertzuwachs ausgeglichen werden. Unter Umständen kann eine gut gemeinte gemischte Schenkung im Erbfall zu einer echten finanziellen Belastung werden.

3. Vollständige Schenkung / Erbvorbezug

Neben der gemischten Schenkung gibt es beim Haus an Kinder übertragen in der Schweiz die Möglichkeit einer vollständigen Schenkung bzw. eines Erbvorbezugs. Hier entscheiden sich Eltern, ein Haus auf Kinder zu überschreiben, ohne dafür eine Gegenleistung zu erhalten.

Sind Geschwister vorhanden, so erhalten diese in der Regel einen Ausgleich in Form von Geld. Auch hier muss bedacht werden, dass der Wertzuwachs der Liegenschaft im Erbfall den Geschwistern gegenüber ausgeglichen werden muss.

Hinweis!

Eltern haben beim Immobilien übertragen an Kinder die Möglichkeit, in einem Vertrag schriftlich festzuhalten, dass im Erbfall kein Ausgleich auf den Mehrwert bezahlt werden muss. Ein solcher Vertrag ist allerdings nur mit notarieller Beurkundung rechtskräftig.

Was ist die Schenkung?

Eine Schenkung ist eine unentgeltliche Zuwendung, durch die der Schenker den Beschenkten aus seinem eigenen Vermögen freiwillig bereichert. Die Schenkung ist ein Rechtsgeschäft zwischen dem Schenker und dem Beschenkten.

In der Schweiz unterscheidet man zwischen zwei verschiedenen Schenkungsarten, der Handschenkung (Realschenkung) und dem Schenkungsversprechen, für das ein Schenkungsvertrag aufgesetzt werden muss. Wer sein Haus an Kinder übertragen möchte, kann dies in Form einer Schenkung tun.

Was bedeutet Erbvorbezug?

Der Erbvorbezug ist eine besondere Form der Schenkung, die im Erbfall der Ausgleichspflicht unterliegt. Dies ist bei der Schenkung nur der Fall, wenn sie einen Ausstattungscharakter hat und der Existenzgründung dient. Immobilien übertragen an Kinder als Erbvorbezug kann man allerdings auch ohne Ausgleichspflicht im Erbfall – dies muss aber schriftlich festgehalten werden.

Dürfen Eltern über eine Schenkung oder einem Erbvorbezug frei entscheiden?

Diese Frage ist recht einfach zu beantworten: Ja, Eltern dürfen zu Lebzeiten über ihr Vermögen vollkommen frei verfügen und machen, was sie wollen. Wenn Sie Immobilien an Kinder übertragen möchten und ein anderes Kind dagegen ist oder nichts erhält, kann es zu Lebzeiten der Eltern nicht dagegen vorgehen.

Kinder können eine Schenkung oder einen Erbvorbezug weder einfordern noch verlangen, dass alle Kinder gleichbehandelt werden und für die Hausübergabe an ein Kind einen Ausgleich erhalten. Eine Ausgleichspflicht unter den Geschwistern besteht nur im Erbfall – und auch dann nur, wenn die Eltern es nicht anders verfügt haben.

Familie sitzt auf Couch beisammen

Schenkung mit Wohnrecht oder Nutzniessung?

Wenn Eltern ein Haus an Kindern übertragen möchten, so heißt dies nicht, dass die Eltern aus dem Haus ausziehen wollen. Sie haben die Möglichkeit, sich ein lebenslanges Wohnrecht oder Nutzniessungsrecht vorzubehalten. Das Wohnrecht berechtigt die Eltern, lebenslang in der Immobilie wohnen zu bleiben.

Das Nutzniessungsrecht berechtigt die Eltern, In der Immobilie wohnen zu bleiben und eventuelle Mieteinnahmen zu behalten. Im Gegenzug dafür haben sie die Unterhaltskosten und die Nebenkosten sowie die Versicherungen für das Haus zu tragen, obwohl die Kinder das Haus von den Eltern übernehmen.

Wer soll die Hypothek weitertragen?

Behalten sich die Eltern ein Nutzniessungsrecht vor, so haben sie weiterhin die Zinspflicht gegenüber der Bank. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, dass beim Immobilien an Kinder übertragen das Kind die Hypothek übernimmt.

Soll die Hypothek bei den Eltern verbleiben, hat das Kind als neuer Eigentümer die Pflicht, der Bank ein Pfandrecht an der Immobilie einzuräumen. Welche Variante im Einzelfall die beste ist, muss von Fall zu Fall genau geprüft werden.

An dieser Stelle hilft eine Beratung beim Anwalt für Erbrecht. In der Anwaltssuche von Erbrechtsinfo.ch können Sie einen passenden Ansprechpartner in Ihrer Region finden, der Sie bei der Übertragung von Wohneigentum an Kinder unterstützt.

Was ist der Abtretungsvertrag?

In einem Abtretungsvertrag wird eine Forderung vom Gläubiger auf einen empfangenden Gläubiger übertragen. Der empfangende Gläubiger ist dann der neue Gläubiger. Eine solche Abtretung wird in einem Abtretungsvertrag schriftlich festgehalten.

Wird die Übertragung von Wohneigentum an Kinder in Form einer Schenkung gemacht, so wird ein Schenkungsvertrag aufgesetzt. Damit dieser gültig ist, bedarf er der notariellen Beurkundung.

Welche steuerlichen Folgen gibt es zu beachten?

Wer eine Immobilie an Kinder übertragen möchte, sollte sich mit den steuerlichen Folgen befassen. Eine sogenannte Abtretung in Anrechnung künftiger Erbschaft beispielsweise ist in vielen Kantonen steuerpflichtig. Dies hängt allerdings vom verwandtschaftlichen Verhältnis von Schenker und Beschenktem ab.

Am besten ist es, im Ernstfall einen Fachmann zu Rate zu ziehen. Auch unbedingt bedacht werden sollte die Ausgleichspflicht im Erbfall, auf die wir im Folgenden eingehen.

Ausgleichungspflicht

Bei einem so genannten Erbvorbezug ist der Empfangende im Erbfall den anderen Erben gegenüber in der Ausgleichspflicht. Möchten die Eltern dies beim Immobilien übertragen an Kinder verhindern, so müssen sie schriftlich festhalten, dass keine Ausgleichspflicht besteht. Insbesondere, wenn Immobilien über die Jahre hinweg an Wert gewinnen, kann dies im Erbfall zu starken finanziellen Belastungen führen. Hier sollte man unbedingt gut vorsorgen, um am Ende nicht in Bedrängnis zu kommen.

Was sollte bezüglich Kosten für einen Pflegeheimaufenthalt berücksichtigt werden?

Wer sich einen Aufenthalt im Pflegeheim nicht leisten kann, erhält sogenannte Ergänzungsleistungen. Hierbei gilt allerdings zu beachten, dass freiwillig abgezogenes Vermögen bei der Anspruchsberechnung berücksichtigt wird. Wer also mit dem Immobilie übertragen an Kinder verhindern möchte, selbst für die Pflegeheimkosten aufkommen zu müssen, hat schlechte Karten.

Die Wertsteigerung

Nach dem Erbrecht in der Schweiz müssen Schenkungen und Erbvorbezüge unter Geschwistern im Erbfall wieder ausgeglichen werden. Bei der Hausübertragung an Kinder kann dies die Kinder später in ungeahnte finanzielle Schwierigkeiten bringen.

Da Immobilien zur Zeit einer großen Wertsteigerung unterliegen, muss das Kind, das das Haus geschenkt bekommt, den Wertzuwachs im Erbfall den anderen Erben gegenüber ausgleichen. Sind hierfür nicht genug finanzielle Mittel vorhanden, so muss das Haus verkauft werden.

Hier finden sie eine Checkliste zur Schenkung von Immobilien an Kinder

Wenn Sie darüber nachdenken, Ihr Haus auf Kinder überschreiben zu wollen oder die Hausübergabe an die Kinder schon geplant ist, ist es gut, wenn man die genaue Vorgehensweise kennt. Damit Sie alles auf einen Blick erfassen können, haben wir für Sie eine Checkliste für das Immobilien an Kinder übertragen vorbereitet.

Sollten weitere Fragen offenbleiben oder Sie Hilfe benötigen, ist ein Anwalt für Erbrecht der richtige Ansprechpartner für Sie. Erbrechtsinfo.ch bietet Ihnen die Möglichkeit, zu Erbrechtsexperten in Ihrer Region Kontakt aufzunehmen.

Weitere Beiträge die Sie interessieren könnten..
10616122 ratings