Die Schenkungssteuer in der Schweiz – Wie hoch ist die Steuer bei Schenkungen?

Viele empfinden die Schenkungssteuer als ungerecht. Und sicherlich gibt es einige gute Argumente gegen die Schenkungssteuer. Fest steht jedoch, dass die allermeisten Kantone in der Schweiz eine Schenkungssteuer erheben. Im folgenden Artikel informieren wir Sie umfassend über die Schenkungssteuer in der Schweiz.
Inhaltsverzeichnis

Wer muss Schenkungssteuer bezahlen und wo?

Die Schenkungssteuer bezahlen müssen die Personen, die eine Schenkung erhalten. Wenn also jemandem unentgeltlich ein Vermögen zuteil wird, muss Schenkungssteuer bezahlt werden. 

Fällig wird die Schenkungssteuer immer in dem Kanton, in dem der Schenker seinen Wohnsitz hat. Wo die Beschenkten wohnen, ist für die Schenkungssteuer unerheblich.

Wer muss keine Schenkungssteuer bezahlen?

Zunächst einmal sind Schenkungen an Ehepartner in allen Kantonen von der Schenkungssteuer befreit. In der Regel sind auch Schenkungen von Eltern an Kinder und andersherum von der Schenkungssteuer ausgenommen. Allerdings gibt es hier Ausnahmen, wenn über Kantonsgrenzen hinweg Schenkungen vorgenommen werden. Dann darf der Kanton besteuern, in dem der Schenkende wohnt. Wiederum eine Ausnahme bilden hier Liegenschaften.

Kantone ohne Schenkungssteuer

Es gibt nur einen Kanton, der weder Erbschaftssteuer noch Schenkungssteuer erhebt, und zwar der Kanton Schwyz. Im Kanton Luzern und Obwalden wird auf die Schenkungssteuer verzichtet. Im Kanton Aargau sind Erbschaften und Schenkungen von Kindern an Eltern, Stiefeltern und Pflegeeltern von der Schenkungssteuer ausgenommen. Darüber hinaus gibt es die Nachkommenbesteuerung nur noch in den Kantonen Appenzell Innerhoden, Neuenburg und Waadt.

Schenkungssteuer Schweiz Freibetrag

In den meisten Kantonen gibt es für Schenkungen Freibeträge. Diese Freibeträge richten sich nach dem verwandtschaftlichen Verhältnis von Geschenkgeber und dem Empfänger der Schenkung. Eng miteinander Verwandte haben oft höhere Freibeträge. So werden im Kanton Graubünden Schenkungen an Eltern mit 10 Prozent besteuert, während sie in vielen anderen Kantonen steuerfrei sind. Generell sind Schenkungen an Ehepartner und / oder direkte Nachkommen häufig gänzlich von der Schenkungssteuer befreit.

Was ist ein Steuerfreibetrag?

Der Steuerfreibetrag bezeichnet den Betrag, der von einer Schenkung von der Schenkungssteuer ausgenommen ist. Besteuert werden nur die Beträge, die den Wert des Steuerfreibetrages überschreiten.

Schenkungssteuersätze und Steuerklassen

Die Schenkungssteuersätze und Steuerklassen sind in der Schweiz verschieden. Sie hängen einerseits vom verwandtschaftlichen Verhältnis von Schenker und Beschenktem ab. Andererseits sind sie je nach Wert der Schenkung unterschiedlich. Schenkungen von geringem Wert werden mit einem niedrigeren Steuersatz besteuert. Die Schenkungssteuer bei Schenkungen mit hohem Wert liegt dafür höher.

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Die Höhe der Schenkungssteuer in der Schweiz

Die Schenkungssteuer Schweiz hängt vom Kanton ab, in dem der Schenker seinen Wohnsitz hat. Die Schenkungssteuer Luzern beispielsweise entfällt komplett, nicht nur bei Nachkommen und Ehepartnern, sondern auch bei Geschwistern, Lebenspartnern und sonstigen anderen Personen. Die Schenkungssteuer Solothurn entfällt hingegen nur für Ehepartner, Kinder und Eltern, nicht jedoch für Geschwister. Wenn es in bestimmten Kantonen eine Schenkungssteuer gibt, unterscheidet sich diese meist in der Höhe. Für Geschwister beispielsweise liegt die Schenkungssteuer Aargau bei maximal 23 Prozent. Die Schenkungssteuer Kanton Bern hingegen liegt für Geschwister bei maximal 15 Prozent.

Schenkungssteuer berechnen

Wenn Sie eine Schenkung vornehmen möchten oder Empfänger einer Schenkung sind, möchten Sie mit Sicherheit im Vorfeld wissen, welche Schenkungssteuer fällig wird. Mithilfe des Schenkungssteuer-Rechners können Sie die Höhe der Schenkungssteuer einfach ermitteln. Falls Sie Unterstützung benötigen oder Fragen haben, nehmen Sie die Hilfe eines Anwalts für Erbrecht in Anspruch. Ein Rechtsanwalt für Erbrecht kann Sie umfassend über das Schweizer Erbrecht informieren und Ihnen in Sachen Erbschaftssteuer und Schenkungssteuer weiterhelfen.

Schenkungssteuer bei wiederholten Schenkungen

Auch für den Fall wiederholter Schenkungen gibt es in der Schweiz unterschiedliche Regelungen. Diese Regelungen beziehen sich auf den Progressionsvorbehalt und den Freibetrag:

  • Progressionsvorbehalt bedeutet, dass sich der Steuersatz aus der Summe aller Zuwendungen berechnet, die einem beschenkten innerhalb einer bestimmten Zeitspanne zuteil werden. Dadurch kommt es in den meisten Fällen zu einem insgesamt höheren Steuersatz. In Kantonen mit einer linearen Schenkungssteuer findet der Progressionsvorbehalt keine Anwendung.
  • Einen Freibetrag für die Schenkungssteuer gibt es nur bei der ersten Zuwendung. Bei allen weiteren Zuwendungen greift der volle Schenkungssteuersatz des jeweiligen Kantons, ohne dass ein Freibetrag geltend gemacht werden kann. In Bern und Freiburg beispielsweise kann der Freibetrag aber alle fünf, in Genf alle zehn Jahre geltend gemacht werden.

Welche Schenkungsarten gibt es?

Wer eine Schenkung in der Schweiz vornehmen möchte, hat verschiedene Möglichkeiten, die teils auch von dem Gegenstand der Schenkung abhängen. Im Folgenden erklären wir Ihnen, welche Schenkungsarten es gibt:

1. Handschenkung

Die Handschenkung bezeichnet die sofortige Schenkung von Hand zu Hand. Sie setzt demzufolge eine bewegliche Sache beziehungsweise einen Gegenstand als Schenkungsobjekt voraus. Die Handschenkung wird auch formfreie Handschenkung oder Realschenkung genannt. Soll Grundeigentum übertragen werden, muss der Handschenkung ein Schenkungsversprechen vorausgehen und sie wird erst mit der Eintragung im Grundbuch gültig.

2. Schenkungsversprechen

Ein Schenkungsversprechen ist ein Verpflichtungsgeschäft. Durch dieses verpflichtet sich der Schenkgeber gegenüber dem Beschenkten. Die Verpflichtung kann sich unter anderem auf einen Gegenstand oder einen Geldbetrag beziehen. Mithilfe des Schenkungsversprechens ist es aber auch möglich, auf eine bestehende Schuld zu verzichten.

3. Schulderlassschenkung

Die Schulderlassschenkung bezeichnet den Verzicht des Schenkers auf eine Forderung gegen den Beschenkten.

4. Schuldübernahmeschenkung

Eine Schuldübernahmeschenkung bezeichnet die Übernahme einer Schuldpflicht, sodass der Schuldner unentgeltlich von seiner Pflicht befreit wird.

5. Gemischte Schenkung:

Die gemischte Schenkung ist ein sogenanntes Gegenleistungsgeschäft. Bei diesem wird die Gegenleistung zum Teil entgeltlich und zum Teil unentgeltlich getilgt.

6. Erbvorzug:

Der Erbvorbezug bezeichnet eine Zuwendung zu Lebzeiten. Diese ist unentgeltlich und muss an den späteren Erbteil angerechnet werden.

7. Schuldschenkung:

Eine Schuldschenkung bezeichnet entweder die Zuwendung einer Forderung gegen sich selbst oder eine Schenkung als Verpflichtungsgeschäft.

Schenkungssteuer – Unterschied zur Erbschaftssteuer

Die Schenkungssteuer und die Erbschaftssteuer sind in der Schweiz gemeinsam kodifiziert. Beide Steuerarten werden von den einzelnen Kantonen erhoben. Der Bund ist nicht berechtigt, eine Schenkungs- oder Erbschaftssteuer zu erheben. In den meisten Kantonen sind die Schenkungssteuer und die Erbschaftssteuer in der gleichen Höhe angesetzt. Eine Schenkungssteuer wird jedoch zu Lebzeiten des Schenkers erhoben, eine Erbschaftssteuer dann, wenn der Erbfall eintritt, der Erblasser als tot ist. Um einen Erbstreit innerhalb der Erbengemeinschaft oder außerhalb im Todesfall zu verhindern, empfiehlt es sich ein Testament. Mithilfe eines Testaments wird die gesetzliche Erbfolge eaußer Kraft gesetzt und der Erblasser entscheidet selbst über die Verteilung seines Nachlasses. Wenn Sie Fragen zum Erbrecht Schweiz oder speziell zum Ehegatten Erbrecht, der Erbreihenfolge oder dem Wunsch zum Erbverzicht haben, hilft Ihnen ein Rechtsanwalt für Erbrecht weiter.

Wann unterliegt eine Schenkung der Erbschaftssteuer?

Für den Fall, dass der Schenkgeber durch ein Schenkungsversprechen verfügt, wer nach seinem Tod eine Schenkung erhalten soll, unterliegt der Gegenstand der Schenkung der Erbschaftssteuer. Dies ist deswegen der Fall, weil der Gegenstand der Schenkung erst nach dem Tod der Schenkgebers in den Besitz des Beschenkten übergeht. In diesem Fall unterliegt die Schenkung also nicht der Schenkungssteuer. Eine Ausnahme bildet hier der Kanton Luzern: Wenn eine Immobilie fünf Jahre vor dem Tod des Erblassers Gegenstand einer Schenkung war, so findet die Erbschaftsteuer Anwendung. Wenn nicht, ist die Schenkung sowohl von der Schenkungssteuer als auch von der Erbschaftssteuer befreit.

Schenkungen und Erbvorbezüge

Innerhalb der Kantone werden Erbvorbezüge und Schenkungen genau gleich behandelt. Einziger Unterschied zwischen Erbvorbezügen und Schenkungen ist: Erbvorbezüge müssen im Erbfall ausgeglichen werden, Schenkungen nicht. Wenn der Schenkende dies möchte, kann er eine Ausgleichspflicht anordnen.

Fristen Schenkungssteuer Steuererklärung

Für die Schenkungssteuer gelten bestimmte Fristen. Diese können sich allerdings von Kanton zu Kanton unterscheiden. Für die Schenkungssteuer Zürich beispielsweise gilt: Wer eine steuerpflichtige Schenkung erhalten hat, muss innerhalb von drei Monaten eine Steuererklärung einreichen. Diese Steuererklärung muss unaufgefordert eingereicht werden. Ausnahmen von bestehenden Regelungen und detaillierte Informationen zu steuerfreien Beträgen oder der Steuerberechnung können Sie beim Anwalt für Erbrecht oder beim jeweiligen kantonalen Steueramt erfragen.

Schenkungssteuer umgehen bzw. sparen

In einigen Fällen kann eine Schenkungssteuer umgangen werden. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn eine gemeinnützige Stiftung errichtet wird. Eine solche stellt eine Schenkung dar, die den Status der Steuerbefreiung genießt.

Steuerbefreiung?

Wenn Sie eine Steuerbefreiung anstreben, bedarf dies immer eines Antrags bei Ihrer jeweiligen Steuerbehörde. Erfolg versprechend ist dies allerdings wirklich nur dann, wenn die Stiftung gemeinnützige Zwecke erfüllt. Werden persönliche Interessen verfolgt, ist eine Steuerbefreiung nicht möglich.

Eine weitere Möglichkeit, um die Schenkungssteuer zu umgehen oder zu sparen ist ein Umzug. Da sich die Schenkungssteuer von Kanton zu Kanton unterscheidet, kann dies in einigen Fällen sinnvoll sein. Allerdings ist ein Umzug natürlich mit großem Aufwand verbunden. Ob es sich also letztlich lohnt oder man die Schenkungssteuer in de, jeweiligen Kanton in Kauf nimmt, will gut überlegt sein.

Wie kann ein Anwalt für Erbrecht helfen?

Schenkungssteuer soll nach Möglichkeit vermieden werden, oder? Schliesslich möchten Sie nicht ein Teil des geschenkten Vermögens an den Staat abgeben müssen. Damit Sie die Schenkungssteuer richtig ermitteln und abführen können, sollten Sie bei einer hochwertigen Schenkung einen Anwalt für Erbrecht oder Zivilrecht zu Rate ziehen. Dieser kennt sich mit dem Schenkungs- und Steuerrecht in der Schweiz aus und kann Ihnen im Voraus aufzeigen, worauf Sie achten müssen. Auch unterstützt er Sie dabei, die gesetzlichen Grenzen auszuloten, indem beispielsweise Freibeträge genutzt werden oder das Geld an eine steuerbefreite Stiftung geschenkt und dann übertragen wird. 

Diese juristischen Feinheiten sind für den Laien nur schwer zu erkennen und zu nutzen. Auch die Schenkung an sich sollte von einem Anwalt geprüft werden – dazu zählt auch das Verfassen eines formal und inhaltlich einwandfreien Schenkungsvertrag. Dieser ist Ihre Sicherheit, dass das Rechtsgeschäft verbindlich und wirksam abgewickelt werden kann. Sollten Sie einen Anwalt für Erbrecht bzw. einen Anwalt für die Durchführung einer Schenkung benötigen, sollten Sie unsere Anwalts-Suchfunktion nutzen. Dort finden Sie einen kompetenten Rechtsbeistand in Ihrer Nähe, der Sie zum Thema Schenkungen und Schenkungssteuer beraten kann. Vereinbaren Sie kostenlos einen ersten, unverbindlichen Beratungstermin!

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FAQ: Schenkungssteuer in der Schweiz

Die Schenkungssteuer ist in der Schweiz kantonal geregelt und variiert damit. Die Kantonen haben ihre eigenen Schenkungssteuer-Gesetze und die Freibeträge unterscheiden sich. Bedenken Sie dabei, dass die Schenkungssteuer auch davon abhängig ist, wie viel insgesamt geschenkt wird und in welchem verwandtschaftlichen Verhältnis Sie zu dem Schenker stehen. Die oben genannten Zahlen bieten also nur einen Anhaltspunkt, wenn Sie mit dem Schenker nicht verwandt sind.
Ja, in den meisten Kantonen gibt es einen Freibetrag, auf den bei einer Schenkung keine Schenkungssteuer abgeführt werden muss. Je näher Sie mit dem Schenkenden verwandt sind, umso höher ist der Freibetrag, der Ihnen zur Verfügung steht. Die Freibeträge variieren ausserdem von Kanton zu Kanton. In wenigen Kantonen gibt es gar keine Erbschafts- und Schenkungssteuer. Informieren Sie sich am besten im Voraus bei einem Anwalt für Erbrecht über die anfallende Schenkungssteuer. Dieser kennt sich damit aus. Übrigens muss die Schenkungssteuer dort bezahlt werden, wo der Beschenkte lebt. Der Freibetrag ist selbst bei Überschreitung steuerfrei. Sie müssen also nur Schenkungssteuer auf das Vermögen zahlen, welches über den Freibetrag hinausgeht.
Wann eine Schenkung steuerfrei ist, hängt davon ab, in welcher Höhe Vermögen übertragen werden soll und in welchem Kanton Sie leben. Ausserdem entscheidend ist der Verwandtschaftsgrad, in dem Sie zu dem Schenker stehen. Kinder und Ehepartner sind in den meisten Kantonen der Schweiz von der Schenkungssteuer befreit. So können Sie Vermögen übertragen, ohne dass davon etwas als Schenkungssteuer abgeführt werden muss. Aber auch entfernte Verwandte verfügen über einen gewissen Freibetrag, der steuerfrei angenommen werden kann. Beachten Sie, dass in manchen Konstellationen der Schenker solidarisch mit dem Beschenkten für die Zahlung der Schenkungsteuer haftet.
Ein Beitrag unserer Online-Redaktion
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