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Gesetzliches Erbrecht in der Schweiz - Das sollten Sie dazu wissen

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3 Generationen Schweiz
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Das Wichtigste in Kürze:

  • Das gesetzliche Erbrecht in der Schweiz unterscheidet zwischen der gesetzlichen Erbfolge und der gewillkürten Erbfolge.
  • Liegt vom Erblasser keine gültige Verfügung des Todes wegen vor, so greift nach dem gesetzlichen Erbrecht die gesetzliche Erbfolge.
  • Im Schweizer Erbrecht gibt es drei Parentelen. Erst wenn aus einer Parentel niemand mehr am Leben ist, kommt nach dem gesetzlichen Erbrecht die nächste zum Zug.
  • Eingetragene Lebenspartner sind Ehegatten gleichgestellt. Konkubinatspartner haben nach dem gesetzlichen Erbrecht keinen Erbanspruch und müssen über Verfügungen des Todes wegen oder Schenkungen zu Lebzeiten bedacht werden.
  • Ein bestimmter Personenkreis hat einen Pflichtteilsanspruch. Pflichtteile können auch durch ein Testament nicht entzogen werden.

Inhaltsverzeichnis:

Wie ist das Schweizer Erbrecht gesetzlich geregelt?

Das Schweizer Erbrecht gehört zum schweizerischen Privatrecht. Näher bestimmt ist es im dritten Teil des Zivilgesetzbuches ab Artikel 457. Nach dem Erbrecht in der Schweiz gehen mit dem Tod eines Erblassers dessen sämtliche Vermögenswerte auf die Erbengemeinschaft über. Das gesetzliche Erbrecht tritt dann in Kraft, wenn:

1. ein Erblasser kein Testament aufgesetzt hat.

2. ein Erblasser zwar eine letztwillige Verfügung hat, diese jedoch zum Beispiel aufgrund von Formfehlern ungültig ist.

3. durch das vorliegende Testament nur ein Teil einer Verlassenschaft geregelt worden ist.

4. die Erben oder ein Teil der Erbengemeinschaft das Erbe ausschlagen oder bereits ein Erbverzicht vereinbart wurde …

5. die Erbschaft vom eingesetzten Erben nicht angetreten kann, weil dieser beispielsweise bereits selbst verstorben ist.

Wenn Erblasser kein Testament erstellen, kommt also das gesetzliche Erbrecht zum Tragen. Dieses unterteilt die Erbberechtigten in drei verschiedene Erblinien, die sogenannten Parentelen.

Die Verwandtschaftslinien beim Schweizer Erbrecht

Beim Erbrecht Schweiz wird innerhalb der gesetzlichen Erbfolge zwischen drei Verwandtschaftslinien unterschieden. Diese werden Parentelen genannt und sind nacheinander erbberechtigt. Zu den Erben erster Ordnung, der ersten Parentel, zählen die Nachkommen des Erblassers, die zu gleichen Teilen erben. An die Stelle der verstorbenen Kinder treten deren Nachkommen, also die Enkel beziehungsweise Urenkel des Erblassers.

Leben aus der ersten Parentel keine Nachkommen mehr oder hat ein Erblasser keine Nachkommen, erbt nach dem gesetzlichen Erbrecht die zweite Parentel. Diese besteht aus dem Stamm der Eltern des Erblassers. Hier erben Vater und Mutter jeweils die Hälfte. An die Stelle verstorbener Elternteile treten nach dem gesetzlichen Erbrecht deren Nachkommen. Sind auf einer Seite keine Nachkommen vorhanden, erbt die andere Seite alles.

Gibt es keine Erben in der zweiten Parentel, so erben nach dem gesetzlichen Erbrecht Schweiz die aus der dritten Parentel. Die dritte Parentel umfasst den Stamm der Großeltern und deren Nachkommen. Auch hier gilt, dass eine Seite alles erbt, wenn entweder auf väterlicher oder mütterlicher Seite keine Erben mehr vorhanden sind.

Hinweis: Adoptierte Kinder und Stiefkinder

Adoptierte Kinder sind den direkten Nachkommen eines Erblassers gleichgestellt. Sie haben also identische Rechte und zählen zur ersten Parentel. Stiefkinder hingegen haben keinen Erbanspruch und demzufolge keinen Platz in der Erbreihenfolge. Wenn sie einen Teil des Erbes erhalten sollen, müssen Stiefkinder durch eine Verfügung des Todes wegen Bedacht werden.

Erbrecht bei verheirateten Personen

Für verheiratete Paare gilt das Ehegatten Erbrecht. Das bedeutet, dass Ehegatten und eingetragene Lebenspartner im Schweizer Erbrecht eine Sonderstellung haben. Nach dem gesetzlichen Erbrecht werden Ehegatten der ersten Parentel zugeordnet und erben hier zu gleichen Teilen wie die direkten Nachkommen des Erblassers. Allerdings verdrängen Ehegatten niemanden aus der zweiten Parentel. Das heißt: Sind neben dem Ehegatten keine direkten Nachkommen vorhanden, erben Angehörige der zweiten Parentel in einer bestimmten Erbquote neben dem Ehegatten.

Der gesetzliche Erbteil in der Schweiz

Im gesetzlichen Erbrecht in der Schweiz wird der Umfang der gesetzlichen Erbteile genau bestimmt. Der Umfang beziehungsweise die Höhe des gesetzlichen Erbteils hängt von der Konstellation der Erben ab. Maßgeblich hierfür ist beispielsweise, ob ein Erblasser einen Ehepartner und Kinder, nur eins von beidem oder keins von beidem hinterlässt. Hinterlässt ein nicht verheirateter Erblasser beispielsweise vier Kinder, so erbt jedes dieser vier Kinder nach dem gesetzlichen Erbrecht ein Viertel der Verlassenschaft. 

Hinterlässt ein Erblasser eine Ehefrau und vier Kinder, so erbt die Ehefrau die Hälfte der Verlassenschaft und die vier Kinder teilen sich die andere Hälfte. So erbt jedes Kind letztlich nur ein Achtel der Verlassenschaft. Hat der Erblasser weder Frau noch Kinder, so sieht das gesetzliche Erbrecht vor, dass die zweite Parentel erbt. Hat ein Erblasser keine Nachkommen, aber eine Frau, so erbt diese drei Viertel der Verlassenschaft. Das verbleibende Viertel geht an die zweite Parentel, also die Eltern des Erblassers.

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Pflichtteile gesetzliches Erbrecht

Ein bestimmter Personenkreis hat nach dem gesetzlichen Erbrecht in der Schweiz ein Anrecht auf einen bestimmten Teil des Erbes. Die Rede ist hier vom sogenannten Pflichtteilsanspruch. Anspruch auf einen Pflichtteil haben nach dem gesetzlichen Erbrecht die Ehegatten beziehungsweise eingetragenen Lebenspartner, die Kinder und die Eltern eines Erblassers. Wer in welcher Höhe pflichtteilsberechtigt ist, ist wiederum abhängig von der Erbenkonstellation, die von Erbfall zu Erbfall unterschiedlich sein kann.

Selbst wenn Erblasser ein Testament erstellen, sind sie in der Verteilung ihres Nachlasses nicht ganz frei. Nach dem gesetzlichen Erbrecht setzt ein Testament Pflichtteilsansprüche nämlich nicht außer Kraft. So soll die Familie beziehungsweise die nahen Angehörigen durch das gesetzliche Erbrecht geschützt und sichergestellt werden, dass bestimmte Personen ihren gesetzlichen Erbteil erhalten. Wird ein Pflichtteilsberechtigter im Testament beziehungsweise beim Erbe übergangen, so kann er seine Ansprüche einklagen. Hieraus entsteht nicht selten ein Erbstreit. Lassen Sie sich im Falle des Falls von einem Rechtsanwalt für Erbrecht beraten.

Tipp: Alternativen zum Testament

Es besteht die Möglichkeit, seinen Besitz schon zu Lebzeiten durch Schenkungen zu verteilen. Dies kann sich unter Umständen lohnen, weil sich Erbschaftssteuer und Schenkungssteuer je nach Verwandtschaftsgrad und Kanton unterscheiden. Sollten Sie sich aber doch für ein Testament entscheiden, denken Sie an einen Eintrag im Testamentenregister. Hier wird der Aufbewahrungsort des Dokuments gespeichert, damit es im Falle des Falls gefunden wird.

Gewillkürte Erbfolge und freie Quoten

Das gesetzliche Erbrecht sieht neben der gesetzlichen Erbfolge die Möglichkeit der gewillkürten Erbfolge vor. Die gewillkürte Erbfolge tritt dann ein, wenn eine wirksame Verfügung des Todes wegen, also beispielsweise ein Testament oder Erbvertrag, vorliegt. Bei der gewillkürten Erbfolge müssen allerdings sämtliche Pflichtteilsansprüche berücksichtigt werden. Nach dem gesetzlichen Erbrecht gibt es ja nach Erbenkonstellation einen bestimmten Anteil eines Nachlasses, der vom Erblasser frei verteilt werden darf. Hier spricht man von der sogenannten freien Quote. Die freien Quoten sind im gesetzlichen Erbrecht beispielsweise wie folgt festgelegt:

1. Der Erblasser hinterlässt einen Ehepartner und Nachkommen. 

In diesem Fall beträgt der Pflichtteil des Ehepartners ein Viertel und der der Nachkommen drei Achtel der Verlassenschaft. Die frei verfügbare Quote liegt also bei drei Achteln.

2. Der Erblasser hinterlässt einen Ehepartner und Eltern. 

Den Eltern steht ein Pflichtteil von einem Achtel und dem Ehepartner von drei Achteln zu. Die frei verfügbare Quote beträgt also die Hälfte der Verlassenschaft.

3. Der Erblasser hinterlässt einen Ehepartner und Geschwister

Die Geschwister haben keinen Pflichtteilsanspruch, der Ehepartner einen von drei Achteln, die frei verfügbare Quote beträgt fünf Achtel.

Gesetzliches Erbrecht Schweiz für Konkubinatspartner

Konkubinatspartner werden im gesetzlichen Erbrecht nicht berücksichtigt. Sie haben in der Schweiz auch keinen Pflichtteilsanspruch. Wer sichergehen möchte, dass sein Konkubinatspartner nicht leer ausgeht, sollte ein Testament erstellen und den nicht eingetragenen beziehungsweise unverheirateten Lebenspartner über die frei verfügbare Quote bedenken. Selbst wenn Konkubinatspartner gemeinsame Kinder haben und viele Jahre gemeinsam leben, werden sie im Schweizer Erbrecht nicht berücksichtigt. Für unverheiratete Paare empfiehlt es sich also, Vorsorge zu treffen. Eine Möglichkeit, den unverheirateten Partner zu bedenken, sind beispielsweise auch Schenkungen zu Lebzeiten. Wenn Sie mit einem Partner im Konkubinat leben, ist es sinnvoll, sich von einem Anwalt für Erbrecht beraten zu lassen. So können Sie trotz des gesetzlichen Erbrechts in der Schweiz Möglichkeiten finden, den Partner auch ohne Trauschein abzusichern.

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