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Erbe ausschlagen in der Schweiz - Infos, Kosten & Fristen

  • Redaktion Erbrechtsinfo.ch
Frau unterzeichnet ein Erbausschlagung Formular
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Neben dem Erbverzicht zu Lebzeiten, gibt es auch die Möglichkeit ein Erbe auszuschlagen in der Schweiz – sei es wegen Überschuldung des Nachlasses oder aus anderen Gründen. Im Folgenden Beitrag wird das Thema Erbausschlagung Kosten, Erbsausschlagung Fristen sowie auf den Ablauf beim Erbe ausschlagen näher eingegangen.

Viele Menschen suchen im Internet nach Formularen und Musterbriefen zum Thema Erbe ausschlagen, jedoch sollte darauf geachtet werden, dass diese Vorlagen lediglich zur Orientierungshilfe dienen, weil sie häufig Fehler enthalten.

Deshalb ist es ratsam, sich zum Erbe ausschlagen einen spezialisierten Anwalt für Erbrecht zu suchen, der Ihnen ein Formular zum Erbe ausschlagen individuell und rechtmäßig aufsetzt.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Wer ein Erbe annimmt, erbt mit dem Vermögen auch alle Verbindlichkeiten des Erblassers wie beispielsweise Schulden.
  • Jeder Erbe in der Schweiz hat das Recht, ein Erbe auszuschlagen.
  • Die Erbausschlagungsfrist beträgt drei Monate.
  • Innerhalb von vier Wochen nach dem Tod des Erblassers kann ein Antrag auf Erstellung eines öffentlichen Inventars gestellt werden, damit sich die Erben über die Nachlasshöhe informieren können.
  • Ihr Anwalt für Erbrecht berät Sie gern zum Thema Erbe ausschlagen in der Schweiz.

Was bedeutet Erbe ausschlagen?

Jeder Erbe hat nach dem Erbrecht in der Schweiz das Recht, ein Erbe auszuschlagen. Das Erbe ausschlagen bedeutet, eine Erbschaft nicht anzunehmen. Gründe dafür, ein Erbe auszuschlagen, kann es viele geben; dazu zählt vor allem das Erbe ausschlagen wegen Schulden.

Ist ein Nachlass verschuldet, kann der Verzicht auf das Erbe sinnvoll sein, weil bei einer Erbschaft in der Schweiz nicht nur Vermögenswerte vererbt werden, sondern eben auch Schulden.

Erbe ausschlagen – welche Vor- und Nachteile gibt es?

Wer sich zum Erbe ausschlagen wegen Schulden entschließt, erhält gar nichts vom Erbe. Als Erbe kann man nicht nur die Verbindlichkeiten beziehungsweise Schulden ausschlagen und Vermögenswerte behalten. Hier gilt die Devise: alles oder nichts.

Das bedeutet auch, dass der Anspruch auf den Pflichtteil und alle anderen Nachlassgegenstände entfällt. Ein Erbe ausschlagen wegen Schulden bewahrt die Erben aber im Umkehrschluss davor, sich mit einem überschuldeten Nachlass auseinandersetzen zu müssen.

Wann ist es sinnvoll ein Erbe auszuschlagen?

Wann das Erbe ausschlagen sinnvoll ist, ist von der jeweiligen Situation abhängig. Allerdings ist es empfehlenswert, einen überschuldeten Nachlass auszuschlagen. Auch das Erbe ausschlagen bei eigenen Schulden kann sinnvoll sein, wenn der Nachlass beispielsweise hauptsächlich aus dem Elternhaus besteht und dieses dann zur Tilgung der eigenen Schulden veräußert werden müsste.

Hier kann es im Zweifelsfall besser sein, das Erbe auszuschlagen, sodass der Nachlass an den nächsten Verwandten fällt. Darüber hinaus gibt es persönliche Gründe für die Erbausschlagung, beispielsweise unüberbrückbare Differenzen mit dem Erblasser.

Wer ist befugt das Erbe auszuschlagen?

Grundsätzlich ist jeder Erbe dazu befugt, ein Erbe auszuschlagen. Niemand kann dazu gezwungen werden, eine Erbschaft anzunehmen. Die Erbausschlagung steht also jedem Erben frei.

Hierbei ist es unerheblich, ob über die gesetzliche Erbfolge oder die gewillkürte Erbfolge geerbt wird. Allerdings muss sich jeder Erbe innerhalb von drei Monaten entscheiden, ob er das Erbe ausschlagen oder annehmen möchte.

Die Verwirkung der Ausschlagungsbefugnis tritt in folgenden Fällen ein

Nach ZGB 571 verwirkt ein Erbe die Ausschlagungsbefugnis für eine Erbschaft bereits innerhalb der Ausschlagungsfrist, wenn er…

  • sich innerhalb der Frist Erbschaftssachen aneignet.
  • Handlungen vollzieht, die über die Verwaltung des Nachlasses hinausgehen.
  • Nachlassgegenstände unterschlägt.
  • Die dreimonatige Frist verstreichen lässt, ohne das Erbe auszuschlagen.

Amtlich festgestellte oder sonst wie offenkundige Zahlungsunfähigkeit des Erblassers

Nach ZGB 566 II wird die Erbausschlagung dann vermutet, wenn die Zahlungsunfähigkeit des Erblassers im Zeitpunkt seines Todes amtlich festgestellt oder offenkundig war. Hier bedarf die Erbschaft der ausdrücklichen Annahme durch die Erben.

  • Hier finden Sie spezialisierte Anwälte für Erbrecht & Erbstreitigkeiten

Worauf sollte man achten, wenn die finanziellen Verhältnisse des Erblassers nicht eindeutig sind?

Wenn die finanziellen Verhältnisse des Erblassers nicht eindeutig sind, sollten Sie sich nicht Hals über Kopf entscheiden, das Erbe auszuschlagen oder anzunehmen. Sie haben verschiedene Handlungsmöglichkeiten, die Ihnen bei der Entscheidungsfindung hinsichtlich der Erbausschlagung helfen können.

Solange sie sich noch nicht für oder gegen die Erbausschlagung entschieden haben, dürfen Sie sich nichts aus der Erbschaft aneignen oder Handlungen vollziehen, die über die Verwaltung des Nachlasses hinausgehen. Achten Sie darauf, keine übereilte Entscheidung zu treffen und beratschlagen sich im Zweifelsfall mit einem Fachanwalt für Erbrecht.

Das Erbe annehmen

Wenn Sie sich dazu entschließen, ein Erbe anzunehmen, sollten Sie genau wissen, was auf Sie zukommt. Um sich darüber klar zu werden und eine Entscheidung für oder gegen eine Erbausschlagung zu treffen, haben Sie drei Monate Zeit.

Unter Umständen kann es hilfreich sein, sich bei einem Rechtsanwalt für Erbrecht beraten zu lassen, bevor Sie ein Erbe ausschlagen oder annehmen. Auch zu anderen erbrechtlichen Themen wie dem Testament, dem Erbvertrag, der Unternehmensnachfolge oder der Nachlassregelung kann eine Beratung beim Spezialisten empfehlenswert sein.

Hinweis: Auch bei hohem Streitwert zum Friedensrichter

Selbstverständlich können Sie auch bei Streitwerten über 100 000 Franken einen Friedensrichter aufsuchen. Dieser Schritt lohnt sich bei einem Erbstreit in sehr vielen Fällen. So kann die Harmonie in der Familie wiederhergestellt werden und man spart sich die teils hohen Gerichtskosten.

Inventar verlangen

Wenn Sie nicht wissen, ob ein Nachlass überschuldet ist und ob Sie das Erbe antreten möchten, haben Sie die Möglichkeit, ein öffentliches Inventar zu verlangen. Dies müssen Sie innerhalb eines Monats nach Kenntnis über den Todesfall machen. Zu beachten ist allerdings, dass für ein öffentliches Inventar Kosten anfallen, die sich nach dem Aufwand und dem Umfang der Erbschaft berechnen.

Ihr Fachanwalt für Erbrecht kann sie gern beraten und bei Fragen zum Erbe antreten unterstützen. Wenn Sie ein öffentliches Inventar verlangt haben, können Sie sich nach Abschluss des Inventars innerhalb eines Monats überlegen, ob sie das Erbe ausschlagen, es im Rahmen des öffentlichen Inventars oder vorbehaltlos annehmen.

Liquidation verlangen

Schließlich haben eben noch die Möglichkeit einer Liquidation. Hierzu müssen Sie sich innerhalb von drei Monaten entschließen und den Entschluss der Behörde mitteilen. Die Behörde kümmert sich dann um die Liquidation des Nachlasses, ohne dass Sie das Erbe ausschlagen müssen.

Was geschieht mit einem positiven Saldo nach der amtlichen Liquidation?

Falls nach der Liquidation der Erbmasse ein Überschuss bleibt, erhalten diese die Erben. Unter Umständen ist eine Liquidation also die bessere Variante zur Erbausschlagung, weil hier zumindest die Chance besteht, trotz Nachlass mit Schulden am Ende einen Gewinn zu erzielen.

Einmischung oder Verwaltungshandlung?

Wer über das Erbe ausschlagen nachdenkt, darf sich innerhalb der Ausschlagungsfrist auf keinen Fall in das Erbe einmischen. Das heißt, dass Sie nur Handlungen vornehmen dürfen, die der Verwaltung des Nachlasses dienen.

Schon, wenn Sie beispielsweise einen kleinen Gegenstand aus dem Nachlass verschenken, gilt dies als Einmischung in den Nachlass. Demzufolge kann man schon mit kleinen Handlungen sein Recht auf die Erbausschlagung schon innerhalb der Frist verwirken.

Hinweis!

Um zu entscheiden, ob man ein Erbe ausschlagen oder annehmen möchte, muss man sich als Erbe über die finanziellen Verhältnisse des Erblassers informieren. Hier kann es passieren, dass man zur Vorlage eines Erbscheins aufgefordert wird. Doch Vorsicht: Wer einen Erbschein beantragt, nimmt die Erbschaft automatisch an. Klären Sie daher, ob statt des Erbscheins beispielsweise auch die Vorlage der Sterbeurkunde in Kombination mit einem Auszug aus dem Stammbuch ausreichend ist.

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Ab wann kann ich ein Erbe ausschlagen?

Zur rechtmäßigen Erbausschlagung müssen zwei Voraussetzungen gegeben sein. Erstens muss der Erblasser verstorben, der Erbfall also eingetreten sein. Zweitens muss der Erbe über den Todesfall informiert sein und darüber hinaus wissen, dass er Erbe ist. Sind diese beiden Voraussetzungen erfüllt, kann man ein Erbe ausschlagen.

Hinweis!

Bei der gewillkürten Erbfolge werden die Erben über ihren Status als Erben informiert. Dies gilt nicht für die gesetzliche Erbfolge.

Wo und wie kann ich das Erbe ausschlagen?

Sie können das Erbe ausschlagen, indem Sie den Entschluss über die Erbausschlagung mit einem eingeschriebenen Brief der zuständigen Behörde mitteilen. Die zuständige Behörde ist die am letzten Wohnsitz der verstorbenen Person.

Benötige ich einen Anwalt oder einen Notar zum Erbe ausschlagen?

Die Frage, ob man zum Erbe ausschlagen einen Anwalt oder einen Notar benötigt, stellen sich viele Erben. Das Erbe ausschlagen beim Notar beziehungsweise das Erbe ausschlagen beim Rechtsanwalt ist nicht vorgeschrieben. Sie benötigen also nicht zwingend Unterstützung, wenn Sie ein Erbe ausschlagen möchten.

Allerdings ist es empfehlenswert, sich von einem Fachanwalt für Erbrecht beraten zu lassen, wenn man über eine Erbausschlagung nachdenkt. Ein Experte kann Ihnen viele hilfreiche Tipps geben, auf Ihre individuelle Situation eingehen und Sie so womöglich vor einem Fehler bewahren.

Junges Paar lässt sich von Anwalt beraten

Kann ich die Entscheidung rückgängig machen?

Wer eine Erbschaft ausgeschlagen oder angenommen hat, kann seine Entscheidung in der Regel nicht rückgängig machen. In Ausnahmesituationen lohnt es sich jedoch, die Ausschlagung des Erbes anzufechten. Versuchen können Sie dies zum Beispiel, wenn Sie zum Zeitpunkt Ihrer Entscheidung über wichtige Informationen nicht verfügt haben oder ein Irrtum vorlag.

Eine Erbausschlagung anfechten sollten Sie aber niemals ohne die Unterstützung eines kompetenten Rechtsanwalts. Den passenden Ansprechpartner finden Sie gleich hier auf Erbrechtsinfo.ch in unserer Anwaltssuche.

Was kostet die Erbausschlagung?

Entstehen fürs Erbe ausschlagen Kosten? Ob fürs Erbe ausschlagen Kosten entstehen, ist von Kanton zu Kanton unterschiedlich. In einigen Kantonen wird für die Erklärung der Erbausschlagung eine Gebühr erhoben. Diese muss von allen Erben, die das Erbe ausgeschlagen haben, beglichen werden.

Zusätzlich muss beachtet werden, dass zusätzliche Kosten auf die Erben zukommen können, obwohl sie die Erbschaft ausschlagen. Hierzu zählen beispielsweise die Kosten für die Bestattung des Erblassers. Diese Kosten zählen zu den familiären Pflichten und müssen von den Erben auch dann getragen werden, wenn diese die Erbschaft ausschlagen.

Doch wer bezahlt die Beerdigung, wenn kein Geld da ist? In einigen Gemeinden werden die Bestattungskosten übernommen, falls der Nachlass zur Deckung der Kosten nicht ausreicht. Hierzu müssen die Hinterbliebenen einen Antrag stellen.

Achtung!

Wer innerhalb der letzten fünf Jahre vor dem Tod eines Erblassers einen Erbvorbezug oder eine Schenkung erhalten hat, muss unter Umständen für die Schulden des Erblassers haften. Lassen Sie sich hier am besten von einem Fachanwalt für Erbrecht beraten.

Welche Fristen sollte man beachten?

Als Erbe hat man drei Monate Zeit, um das Erbe auszuschlagen oder anzunehmen. Erfolgt innerhalb dieser Erbe ausschlagen Frist keine Erbausschlagung, so gilt das Erbe automatisch als angenommen. Zusätzlich zur Erbe ausschlagen Frist muss innerhalb von vier Wochen nach dem Tod des Erblassers, falls gewünscht, die Erstellung des öffentlichen Inventars verlangt werden.

Für Erben der gewillkürten Erbfolge läuft diese Frist ab der amtlichen Mitteilung über das Testament. Suchen Sie im Zweifelsfall oder bei Unsicherheiten einen Erbrechtsexperten auf, mit dem Sie alle Fragen klären können.

Wer erbt, wenn man eine Erbschaft ausschlägt?

Wenn man eine Erbschaft ausschlägt, treten an die Stelle des Ausschlagenden die nächsten gesetzlichen Erben in der Schweiz, es wird also so getan, als würde es den ausschlagenden Erben nicht geben. Wenn die folgenden gesetzlichen Erben in der Schweiz das Erbe auch ausschlagen, geht es immer so weiter, bis schließlich als letzter der Fiskus erbt. Dieser darf das Erbe als einziger nicht ausschlagen.

Hinweis!

Wer innerhalb der dreimonatigen Frist zur Erbausschlagung Gegenstände der Erbschaft an sich nimmt (wertlose Gegenstände ausgenommen) oder Nachlassgegenstände unterschlägt, verliert sein Recht zur Erbausschlagung.

Tipps zur Ausschlagung der Erbschaft

Erben sind im Erbfall häufig erst einmal überfordert. Schließlich müssen sie sich um einen Nachlass eines Menschen kümmern, dessen Verlust sie zu verarbeiten versuchen. Um Ihnen im Falle einer bevorstehenden Erbausschlagung das Handeln zu erleichtern, haben wir hier für Sie die wichtigsten Tipps zum Erbe ausschlagen Ablauf zusammengefasst:

  • Bedenken Sie die Fristen für das Begehren um die Erstellung eines öffentlichen Inventars von vier Wochen nach Kenntnis über den Todesfall beziehungsweise die amtliche Mitteilung über das Testament.
  • Sollte die dreimonatige Frist zur Erbausschlagung nicht ausreichen, beantragen Sie rechtzeitig eine Verlängerung.
  • Führen Sie keine Handlungen aus, die die Verwaltung des Nachlasses übersteigen, solange Sie sich noch nicht entschieden haben, das Erbe auszuschlagen oder anzunehmen.
  • Sichern Sie sich ab, indem Sie alle wichtigen Briefe als eingeschriebene Briefe versenden.
  • Fragen Sie einen Rechtsexperten für Erbrecht um Rat, wenn Sie das Erbe ausschlagen überfordert oder Fragen auftauchen.

Hier finden Sie ein Formular zum Thema Erbschaft ausschlagen

Wenn Sie sich über die Erbausschlagung informieren möchten, finden Sie hier ein Erbe ausschlagen Formular beziehungsweise eine Erbe ausschlagen Vorlage. Diese Erbe ausschlagen Vorlage dient allerdings nur der ersten Orientierung.

Wenn Sie ein Erbe ausschlagen Formular benötigen, lassen Sie am besten eines vom Anwalt für Erbrecht erstellen oder Ihre fertige Erbausschlagserklärung zumindest prüfen. So gehen Sie sicher, dass Ihnen keine Fehler unterlaufen und alles mit rechten Dingen zugeht.

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